Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden
Hamburg 1771
Erstes Buch
|
|
|
_____________________________________________________________________________________________
|
|
6> |
Die Welten.1764
Groß ist der Herr! und jede seiner Thaten,Die wir kennen, ist groß!Ozean der Welten, Sterne sind Tropfen des Ozeans!Wir kennen dich nicht!
Wo beginn ich, und ach! wo end' ichDes Ewigen Preis?Welcher Donner giebt mir Stimme?Gedanken welcher Engel?
Wer leitet mich hinaufZu den ewigen Hügeln?Ich versink', ich versinke, geh unterIn deiner Welten Ozean!
Wie schön, und wie hehr war diese Sternennacht,Eh ich des großen Gedankens Flug,Eh ich es wagte, mich zu fragen:Welche Thaten thäte dort oben der Herliche?
Mich, den Thoren! den Staub!Ich fürchtet', als ich zu fragen begann,Daß kommen würde, was gekommen ist.Ich unterliege dem großen Gedanken!
Weniger kühn, hast, o Pilot,Du gleiches Schicksal.Trüb' an dem fernen OlympSammeln sich Sturmwolken.
Jetzo ruht noch das Meer fürchterlich still.Doch der Pilot weiß,Welcher Sturm dort herdroht!Und die eherne Brust bebt ihm,
Er stürzt an dem MasteBleich die Segel herab.Ach! nun kräuselt sichDas Meer, und der Sturm ist da!
Donnernder rauscht der Ozean als du, schwarzer Olymp!Krachend stürzet der Mast!Lautheulend zuckt der Sturm!Singt Todtengesang!
Der Pilot kennet ihn. Immer steigender hebst, Woge, du dich!Ach die letzte, letzte bist du! Das Schif geht unter!Und den Todtengesang heult dumpf fortAuf dem großen, immer offenem Grabe der Sturm! |