Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden
Hamburg 1771
Zweytes Buch
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An Giseke.1748
Geh! ich reiße mich los, obgleich die männliche TugendNicht die Thräne verbeut,Geh! ich weine nicht, Freund. Ich müßte mein Leben durchweinen,Weint' ich dir, Giseke, nach!Denn so werden sie alle dahin gehn, jeder den andernTraurend verlassen, und fliehn.Also trennet der Tod gewählte Gatten! der Mann kamSeufzend im Ozean um,Sie am Gestad, wo von Todtengeripp, und Scheiter, und MeersandStürme das Grab ihr erhöhn.So liegt Miltons Gebein von Homers Gebeine gesondert,Und der Zypresse verwehtIhre Klag' an dem Grabe des Einen, und kennt nicht hinüberNach des Anderen Gruft.So schrieb unser aller Verhängniß auf eherne TafelnDer im Himmel, und schwieg.Was der Hocherhabene schrieb, verehr' ich in Staube,Weine gen Himmel nicht auf.Geh, mein Theurer! Es letzen vielleicht sich unsere FreundeAuch ohne Thränen mit dir;Wenn nicht Thränen die Seele vergießt, unweinbar dem FremdlingSanftes edles Gefühls.Eile zu Hagedorn hin, und hast du genung ihn umarmet,Ist die erste Begier,Euch zu sehen, gestillt, sind alle Thränen der FreudeWeggelächelt entflohn,Giseke, sag' ihm alsdann, nach drey genossenen Tagen,Daß ich ihn liebe, wie du! |