Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden
Hamburg 1771
Zweytes Buch
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An Fanny.1748
Wenn einst ich todt bin, wenn mein Gebein zu Staub'Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nunLang' über meines Lebens Schicksal,Brechend im Tode, nun ausgeweint hast,
Und stillanbetend da, wo die Zukunft ist,Nicht mehr hinauf blickst, wenn mein ersungner Ruhm,Die Frucht von meiner Jünglingsthräne,Und von der Liebe zu dir, Messias!
Nun auch verweht ist, oder von wenigenIn jene Welt hinübergerettet ward:Wenn du alsdann auch, meine Fanny,Lange schon todt bist, und deines Auges
Stillheitres Lächeln, und sein beseelter BlickAuch ist verloschen, wenn du, vom Volke nichtBemerket, deines ganzen LebensEdlere Thaten nunmehr gethan hast,
Des Nachruhms werther, als ein unsterblich Lied,Ach wenn du dann auch einen beglückterenAls mich geliebt hast, laß den Stolz mir,Einen Beglückteren, doch nicht edlern!
Dann wird ein Tag seyn, den werd ich auferstehn!Dann wird ein Tag sen, den wirst du auferstehn!Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen,Die du einander, Natur, bestimmtest.
Dann wägt, die Wagschaal in der gehobnen Hand,Gott Glück und Tugend gegen einander gleich;Was in der Dinge Lauf jetzt misklingt,Tönet in ewigen Harmonieen!
Wenn dann du dastehst jugendlich auferweckt,Dann eil' ich zu dir! säume nicht, bis mich erstEin Seraph bey der Rechten fasse,Und mich, Unsterbliche, zu dir führe.
Dann soll dein Bruder, innig von mir umarmt,Zu dir auch eilen! dann will ich thränenvoll,Voll froher Thränen jenes LebensNeben dir stehn, dich mit Namen nennen,
Und dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit,Gehörst du ganz uns! Komt, die das Lied nicht singt,Komt, unaussprechlich süße Freuden!So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist.
Rinn unterdeß, o Leben. Sie komt gewißDie Stunde, die uns nach der Zypresse ruft!Ihr andern, seyd der schwermuthsvollenLiebe geweiht! und umwölkt und dunkel! |
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