Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden
Hamburg 1771
Zweytes Buch
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Der Zürchersee.1750
Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung PrachtAuf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,Das den großen GedankenDeiner Schöpfung noch Einmal denkt.
Von des schimmernden Sees Traubengestaden her,Oder, flohest du schon wieder zum Himmel auf,Korn in röthendem StraleAuf dem Flügel der Abendluft,
Korn, und lehre mein Lied jugendlich heiter seyn,Süße Freude, wie du! gleich dem beseelterenSchnellen Jauchzen des Jünglings,Sanft, der fühlenden Fanny gleich.
Schon lag hinter uns weit Uto, an dessen FußZürch in ruhigem Thal freye Bewohner nährt;Schon war manches GebirgeVoll von Reben vorbeygeflohn.
Jetzt entwölkte sich fern silberner Alpen Höh,Und der Jünglinge Herz schlug schon empfindender,Schon verrieth es beredterSich der schönen Begleiterin.
«Hallers Doris», die sang, selber des Liedes werth,Hirzels Daphne, den Kleist innig wie Gleimen liebt;Und wir Jünglinge sangen,Und empfanden, wie Hagedorn.
Jetzo nahm uns die Au in die beschattendenKühlen Arme des Walds, welcher die Insel krönt;Da, da kamest du, Freude!Volles Maßes auf uns herab!
Göttin Freude, du selbst! dich, wir empfanden dich!Ja, du warest es selbst, Schwester der Menschlichkeit,Deiner Unschuld Gespielin,Die sich über uns ganz ergoß!
Süß ist, fröhlicher Lenz, deiner Begeistrung Hauch,Wenn die Flur dich gebiert, wenn sich dein Odem sanftIn der Jünglinge Herzen,Und die Herzen der Mädchen gießt.
Ach du machst das Gefühl siegend, es steigt durch dichJede blühende Brust schöner, und bebender,Lauter redet der LiebeNun entzauberter Mund durch dich!
Lieblich winket der Wein, wenn er Empfindungen,Beßre sanftere Lust, wenn er Gedanken winkt,Im sokratischen BecherVon der thauenden Ros' umkränzt;
Wenn er dringt bis ins Herz, und zu Entschließungen,Die der Säufer verkennt, jeden Gedanken weckt,Wenn er lehret verachten,Was nicht würdig des Weisen ist.
Reizvoll klinget des Ruhms lockender SilbertonIn das schlagende Herz, und die UnsterblichkeitIst ein großer Gedanke,Ist des Schweisses der Edlen werth!
Durch der Lieder Gewalt, bey der UrenkelinSohn und Tochter noch seyn; mit der Entzückung TonOft beym Namen genennet,Oft gerufen vom Grabe her,
Dann ihr sanfteres Herz bilden, und, Liebe, dich,Fromme Tugend, dich auch gießen ins sanfte Herz,Ist, beym Himmel! nicht wenig!Ist des Schweisses der Edlen werth!
Aber süßer ist noch, schöner und reizender,In dem Arme des Freunds wissen ein Freund zu seyn!So das Leben genießen,Nicht unwürdig der Ewigkeit!
Treuer Zärtlichkeit voll, in den Umschattungen,In den Lüften des Walds, und mit gesenktem BlickAuf die silberne Welle,That ich schweigend den frommen Wunsch:
Wäret ihr auch bey uns, die ihr mich ferne liebt,In des Vaterlands Schooß einsam von mir verstreut,Die in seligen StundenMeine suchende Seele fand;
O so bauten wir hier Hütten der Freundschaft uns!Ewig wohnten wir hier, ewig! Der SchattenwaldWandelt' uns sich in Tempe,Jenes Thal in Elysium! |
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