Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden
Hamburg 1771
Zweytes Buch
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Friedrich der Fünfte.1750
Welchen König der Gott über die KönigeMit einweihendem Blick, als er geboren ward,Sah vom hohen Olymp, dieser wird MenschenfreundSeyn, und Vater des Vaterlands!
Viel zu theuer durchs Blut blühender Jünglinge,Und der Mutter und Braut nächtliche Thrän' erkauft,Lockt mit Silbergetön ihn die UnsterblichkeitIn das eiserne Feld umsonst!
Niemals weint' er am Bild' eines Eroberers,Seines gleichen zu seyn! Schon da sein menschlich HerzKaum zu fühlen begann, war der ErobererFür den edleren viel zu klein!
Aber Thränen nach Ruhm, welcher erhabner ist,Keines Höflings bedarf, Thränen geliebt zu seynVom glückseligen Volk, weckten den Jüngling oftIn der Stunde der Mitternacht;
Wenn der Säugling im Arm hoffender Mütter schlief,Einst ein glücklicher Mann! wenn sich des Greises BlickSanft in Schlummer verlor, jetzo verjünget ward,Noch den Vater des Volks zu sehn.
Lange sinnt er ihm nach, welch ein Gedank' es ist:Gott nachahmen, und selbst Schöpfer des Glückes seynVieler tausend! Er hat eilend die Höh erreicht,Und entschließt sich, wie Gott zu seyn!
Wie das ernste Gericht furchtbar die Wage nimt,Und die Könige wägt, wenn sie gestorben sind,Also wägt er sich selbst jede der Thaten vor,Die sein Leben bezeichnen soll!
Ist ein Christ! und belohnt redliche Thaten erst!Und dann schauet sein Blick lächelnd auf die herab,Die der Muse sich weihn, welche, mit stiller KraftHandelnd, edler die Seele macht!
Winkt dem stummen Verdienst, das in der Ferne steht!Durch sein Muster gereizt, lernt es Unsterblichkeit!Denn er wandelt allein, ohne der Muse Lied,Sichres Wegs zur Unsterblichkeit!
Die vom Sion herab Gott den Messias singt,Fromme Sängerin, eil' itzt zu den Höhen hin,Wo den Königen Lob, besseres Lob ertönt,Die Nachahmer der Gottheit sind!
Fang den lyrischen Flug stolz mit dem Namen an,Der oft, lauter getönt, dir um die Saite schwebt;Singst du einst von dem Glück, welches die gute ThatAuf dem freyeren Throne lohnt!
Daniens Friedrich ists, welcher mit Blumen dirJene Höhen bestreut, die du noch steigen mußt!Er, der König und Christ, wählt dich zur Führerin,Bald auf Golgatha Gott zu sehn. |
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