THA-Studierende illustrieren Bücher, die Kindern helfen sollen, psychische Belastungen besser zu verstehen und zu bewältigen

In der Reihe „Psychologische Kinderbücher“ des Schweizer Hogrefe Verlags sind kürzlich fünf neue Bücher zu den Themen Anorexie, Mutismus, Tic-Störungen, Stottern und Zwangsstörungen erschienen. Illustriert wurden sie von Studierenden des Bachelorstudiengangs Kommunikationsdesign an der Fakultät für Gestaltung der Technischen Hochschule Augsburg (THA) unter der künstlerischen Leitung von Professor Mike Loos.
02.11.2026

Wie erklärt man einem Kind, was eine Zwangsstörung ist? Wie macht man Mut, wenn jemand unter einer Essstörung leidet oder aus Angst kaum sprechen kann? Was tun, wenn einen Tics plagen oder man sich immer zwanghaft die Hände waschen muss? Und wie lassen sich solche Themen in Bilder übersetzen, die Kinder verstehen, ohne sie zu verängstigen? Diese Fragen stehen im Zentrum eines gemeinsamen Buchprojekts der Philipps-Universität Marburg, der THA und dem Hogrefe Verlag. Nun sind fünf neue Bücher der Reihe „Psychologische Kinderbücher“ erschienen. Illustriert haben sie die THA-Studierenden Carla Figge, Phuong Anh Le Thi, Clara Reisewitz, Alex Schön und Leonie Trierweiler.

Die THA-Studierenden Clara Reisewitz, Leonie Trierweiler, Alex Schön und Carla Figge (vordere Reihe v. l .n. r.), haben unter Leitung von Prof. Mike Loos (hinten Mitte) fünf Kinderbücher zu psychologischen Themen illustriert. (Nicht im Bild: Phuong Anh Le Thi)

Psychologische Themen kindgerecht illustriert

Die Kooperation der beiden Hochschulen und des Hogrefe Verlags besteht bereits seit dem Wintersemester 2022/23. Seitdem sind 16 Kinderbücher erschienen. Die wissenschaftlichen Inhalte werden dabei von Fachleuten der klinischen Kinder- und Jugendpsychologie unter der Leitung der Marburger Professorin Hanna Christiansen erarbeitet. Die künstlerische Leitung der gesamten gestalterischen Umsetzung liegt bei Professor Mike Loos von der THA. 

Die rund 80 Seiten umfassenden, durchgehend farbig illustrierten Bücher beginnen jeweils mit einer kindgerechten Geschichte. Es folgen spielerische Übungen und Anregungen, die Kindern helfen sollen, ihre eigenen Erfahrungen besser einzuordnen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Ein abschließender Informationsteil richtet sich an Eltern, Angehörige und Fachkräfte. Die Bücher können damit auch in der psychotherapeutischen Arbeit eingesetzt werden.

Bei der Illustration stehen die Studierenden der THA vor der Herausforderung, Figuren und Bildwelten so zu entwickeln, dass sie Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren einen altersgerechten Zugang zu schwierigen psychologischen Themen ermöglichen. Dabei geht es nicht nur um vordergründig schöne Illustrationen, sondern auch um Einfühlungsvermögen, erzählerisches Geschick und die Verantwortung, sensible Inhalte angemessen darzustellen.

Monti muss das machen. (Abbildung: Hogrefe Verlag)
Wie Sori langsam lauter wird. (Abbildung: Hogrefe Verlag)

Vom ersten Entwurf bis zum fertigen Verlagsprodukt

Für die beteiligten Studierenden bedeutet die Arbeit an den Büchern mehr als ein gewöhnliches Semesterprojekt. Sie bietet ihnen Gelegenheit, schon während des Studiums den gesamten Entstehungsprozess einer professionellen Buchpublikation mitzuerleben und eigenverantwortlich mitzugestalten. Dabei übernehmen die Studierenden nicht nur die Illustration der Bücher, sondern auch die typografische Gestaltung, das Layout und die drucktechnische Vorbereitung.

Bis aus ersten Ideen ein fertiges Buch wird, vergehen zwei Semester. Während dieser Zeit werden die Entwürfe diskutiert, verworfen, überarbeitet und verbessert. Die Abstimmung mit den psychologischen Fachleuten der Universität Marburg und dem Redaktionsteam des Hogrefe Verlags ist ebenso Teil des Entstehungsprozesses wie die Auseinandersetzung mit professionellen Qualitätsanforderungen.

Prägende Erfahrung mit gesellschaftlichem Mehrwert

Wie prägend die Arbeit im Buchprojekt sein kann, beschreibt Clara Reisewitz, Studentin im Studiengang Kommunikationsdesign, rückblickend: „Die große Herausforderung lag für mich darin, konstruktive Kritik nicht nur anzunehmen, sondern sie konkret in gestalterische Verbesserungen umzusetzen.“ Gerade das habe sie motiviert, über ihre ursprünglichen Ideen hinauszudenken.

Neben den fachlichen Erfahrungen ist es vor allem der gesellschaftliche Nutzen ihrer Arbeit, der die Studierenden begeistert. Professor Mike Loos sagt: „Es ist für unsere Studierenden eine wunderbare Erfahrung, wenn aus ihren eigenen Ideen zum ersten Mal ein richtiges Buch wird. Sie lernen nicht nur, professionell zu arbeiten und Verantwortung für ihre Gestaltung zu übernehmen. Sie erleben auch, dass ihre Kreativität etwas bewirken kann und ihre Arbeit für andere Menschen einen echten Wert hat.“

„Das Kinderbuch-Realprojekt war für mich etwas ganz Besonderes. Es bedeutet mir viel, dass ich mit meinen Illustrationen die Geschichte des kleinen Monti zum Leben erwecken und Kindern Mut machen durfte. Dabei bin ich selbst auch mutiger geworden. Ich habe gelernt, meine Komfortzone zu verlassen, konstruktive Kritik anzunehmen und sie umzusetzen. Ich bin dankbar, dass ich Teil dieses Projekts sein durfte und dabei so wertvolle Erfahrungen sammeln konnte."

Leonie Trierweiler

Weitere Bücher bereits in Planung

Das Projekt soll fortgesetzt werden: Fünf neue Bücher zu den Themen Einsamkeit, Enkopresis, Enuresis, Geschlechtsidentität und Phobien sind bereits in Arbeit. Sie sollen im Herbst 2027 erscheinen und auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden.