Interview mit Marcus Krah

 
 

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Gespräch nehmen. Können Sie sich selbst und Ihren beruflichen Werdegang kurz vorstellen?

Ich heiße Marcus Krah und bin Leiter des Prüf- und Messdiensts der Bundesnetzagentur in München. Ich habe an der Technischen Hochschule Augsburg Elektrotechnik studiert und zwar im ersten Jahrgang, indem auch das Verbundstudium angeboten wurde. Meine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme habe ich bei der Bundesnetzagentur gemacht. Ich bin seit dem Verbundstudium kontinuierlich bei der Bundesnetzagentur beschäftigt. Es war auch von Beginn an klar, dass ich übernommen werde. Nach Ende des Studiums werden den Absolventen freie Stellen angeboten. So sind bei der Bundesnetzagentur fast nur „eigene Gewächse“. Bei der Bundesnetzagentur gibt es immer wieder interne Schulungen z.B. für bestimmte Messgeräte und Messverfahren.

Marcus Krah von der Bundesnetzagentur
Marcus Krah © Bundesnetzagentur
 

Was macht Ihre Arbeit bei der Bundesnetzagentur aus?

Bei der Bundesnetzagentur betreiben wir klassischen Verbraucherschutz, z.B. präventive Maßnahmen von Funkanlagen, Untersuchung von Frequenznutzung z.B. bei Veranstaltungen. Z.B. war die Bundesnetzagentur für die Betreuung des G7 Gipfels in Elmau zuständig, damit niemand „reinfunkt“.

Auch Sportveranstaltungen werden von der Bundesnetzagentur betreut, wie die Nations League, Gastspiele der NFL, das Champions League Finale 2025 in München. Ich war schon mal in der Hülle der Allianz Arena unterwegs. Funkanlagen sind oft in der Höhe, im Job ist es praktisch schwindelfrei zu sein. Es können z.B. auch Mobilfunk- oder Rundfunkmasten geprüft werden. Man kommt also hoch hinaus.

Das Bearbeiten von Funkstörungen ist ein elementarer Punkt der Arbeit des Prüf- und Messdienstes. Wir bearbeiten jede Funkstörung, von der Störung beim Radioempfang in der Küche bis hin zu großflächigen Störungen des Polizei- oder Flugfunks. Wir sind 24/7, 365 Tage im Jahr besetzt und für wichtige Kunden/Partner erreichbar. Bundesweit sind wir durch eine Rufbereitschaft rund um die Uhr einsatzbereit.

Nach Abschluss des Studiums ist man zu ca. 50% im Außendienst und zu 50% mit der Dokumentation beschäftigt.

Inzwischen habe ich aber mehr Personalaufgaben als technische Aufgaben. Ich habe zunächst die Leitung des Prüf- und Messdiensts vertreten, seit Januar 2024 bin ich nun selbst Leiter.

Ich betreue noch spezielle Themen, für die ich Expertenwissen habe, z.B. für Flugfunkanalagen. Ich bin regelmäßig am Münchner Flughafen, da auch Flugzeuge funken. Ich habe z.B. mal das Funkgerät eines Passagierflugzeugs geprüft.

Wir prüfen auch wenn Unternehmen neue Geräte entwickeln, die funken, damit die nirgends reinfunken. Bei der Elektrotechnik gibt es eine Messkammer oben, die Bundesnetzagentur hat in Kohlberg auch ein Messlabor, nur größer – da passt auch ein Hubschrauber rein.

Sie haben an der Technischen Hochschule Augsburg ein Verbundstudium im Bachelor Elektrotechnik absolviert. Warum haben Sie sich für diese Studienvariante entschieden?

Ich wusste, dass ich etwas Technisches studieren möchte. Ich habe mich auch für Maschinenbau interessiert. Da hat meine Mutter mich auf die Stellenausschreibung der Bundesnetzagentur aufmerksam gemacht. Ich habe mich beworben und es hat geklappt. Das war ein echter Glücksgriff für mich!

Welche Vorteile hat aus Ihrer Sicht das Verbundstudium an der THA?

Das Verbundstudium ist ein gemachtes Nest! Man ist beim Praxispartner angestellt und wird bezahlt. Nach den Vorlesungen kann ich lernen und habe Freizeit. Es gibt viele Ansprechpartner, beispielsweise Studierende aus höheren Semestern und beim Praxispartner die erfahrenen Kollegen. Durch die Praxis und den technischen Hintergrund aus dem ersten Lehrjahr tut man sich im Studium leichter. Außerdem hat man direkt Anschluss durch die Kollegen und die Mitschüler aus der Berufsschule, die dann auch an der Hochschule sind.

Das Verbundstudium ist einfach sehr praktisch. Ich brauche für das Praxissemester kein Unternehmen zu suchen, das habe ich ja bereits. Dass ich die Abschlussarbeit mit dem Praxispartner schreibe ist klar. Ich brauche keine Jobs zur Studienfinanzierung zu suchen. Durch den Praxispartner hat man für das Studium auch eine andere innere Haltung und Motivation.

 
Markus Krah vor dem Messwagen
Messwagen der Bundesnetzagentur © Bundesnetzagentur

Wie sieht die Kombination aus Ausbildung und Studium in der Praxis aus? Gab es für Sie mit Ihrem Praxispartner, der Bundesnetzagentur, einen typischen Semesterablauf?

Das erste Jahr ist man voll in der Berufsausbildung, ab dem zweiten Jahr im Semester Vollzeitstudent und in der vorlesungsfreien Zeit bis zum Ende der Ausbildung bei der Bundesnetzagentur in Projekten. Nach dem Ende der Ausbildung ist man dann in verschiedenen Dienststellen im Praktikum. Typisch war, am Donnerstag findet die letzte Prüfung an der Hochschule statt, am Freitag hatte ich frei und am Montag war dann der erste Arbeitstag.

Zu den Projekten in der vorlesungsfreien Zeit gehörte zum Beispiel dass wir eine Steueranlage für Veranstaltungstechnik gebaut haben, das war eine praktische Prüfung im Studium bzw. ein Praxisprojekt. Ich habe Werkstücke erstellt und Programmierungen vorgenommen.

 

Mit welchen Herausforderungen waren Sie sowohl im Betrieb als auch an der Hochschule konfrontiert?

Als ich begonnen habe, war das duale Studium noch im Entstehen. Oft gab es noch keine konkreten Ansprechpersonen, die sich auskannten, da es für alle neu war. Das hatte aber auch Vorteile, so konnte ich aktiv am System mitarbeiten bzw. unser Feedback konnte direkt für die Nachfolger berücksichtigt werden.

Was hat Ihnen dabei geholfen Ihr Studium erfolgreich zu meistern?

Es ist nicht nur das eigene Interesse, dass man im Studium erfolgreich ist. Sondern man hat auch Vorgesetze, die den Weg mit einem gehen und Interesse am Erfolg des Studiums haben.

Wie konnten bzw. können Sie Ihre Kenntnisse aus dem Studium in Ihrem Ausbildungsbetrieb / Unternehmen, einbringen?

Alles was mit Funk zu tun hat, Nachrichtensysteme, Funksysteme, Hochfrequenztechnik, in der Hochschule gibt es z.B. auch eine Amateurfunkanlage. Sonst ist es recht speziell, was die Bundesnetzagentur macht, z.B. mit Blick auf die Hochfrequenztechnik.

Wie hat sich das Verbundstudium auf Ihren weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Durch mein Verbundstudium war der Weg bei der Bundesnetzagentur klar. Das duale Studium bereitet junge Leute auf zukünftige Führungspositionen vor. Außerdem gibt es bei der Bundesnetzagentur auch viele Möglichkeiten zur Weiterbildung. Durch die Praktika an verschiedenen Dienststellen im Studium hat man nach dem Studium nicht den Eindruck wo neues anzufangen – trotz neuer Dienststelle. Man ist schon Teil der Organisation und man wächst in seinen späteren Job rein.

Können Sie in Ihrem Arbeitsalltag auf Erfahrungen aus dem Verbundstudium zurückgreifen? Wenn ja, welche?

Ich hatte im Studium Betriebspsychologie belegt, das war eine Begleitveranstaltung zum Praxissemester, das ist jetzt sehr nützlich für mich.

Welchen Rat haben Sie für Leute, die sich für ein Verbundstudium / Studium mit vertiefter Praxis interessieren?

Ich würde mich immer wieder für ein Verbundstudium entscheiden.

Vieles ist einfacher, ja man bindet sich an einen Praxispartnern, aber das ist nicht verkehrt. Als Abiturient weiß man nicht, was Arbeit ist, wenn man „nur“ studiert, das ist durch die Ausbildung im Verbundstudium anders.

Ganz zum Schluss. Würden Sie ein Verbundstudium empfehlen und was sind Ihre besten Erinnerungen an diese Zeit?

Die Entscheidung für die Bundesnetzagentur war gut. Der Rahmen ist gesetzt. Es ist entspannter und ich bin mir sicher, ich hätte das Studium ohne Praxispartner schlechter abgeschlossen.

Aus dem Studium ist mir das Projekt zum Stratosphären-Ballon noch in guter Erinnerung.  Da waren wir wirklich aktiv, haben viel Zeit in der Gruppe investiert. Wir haben eine direkte Wirkung erzielt. Das praktische gemeinsame Arbeiten mit einem Ergebnis am Ende.
Davon hat man auch im Verbundstudium generell deutlich mehr.

Sonntagabend im Fußballstadion zu arbeiten ist auch nicht verkehrt. Man bekommt das „Drum-Herum“ mit. So wird verhindert, dass eine Drohne dem Schiedsrichter ins Ohr funkt, da muss man einfach vermitteln können, damit sich keiner in die Quere kommt. Das ist schon besonders.