Kompetenzen für die Hochschullehre
Wie gut ist meine Lehre an der Hochschule? Wo habe ich noch Potenzial zur Weiterentwicklung?
Vielen Lehrenden ist oft nicht in Gänze bewusst, welche Kompetenzen für ihre Rolle besonders entscheidend sind – und in welchen Bereichen sie bereits über ausgeprägte Fähigkeiten verfügen oder noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.
Doch gerade dieses Wissen um die eigenen Lehrkompetenzen ist zentral, um die Qualität der Lehre nachhaltig zu sichern und gezielt auszubauen.
Kompetenzraster bieten hier eine wertvolle Orientierung.

Was ist ein Kompetenzraster?
Ein Kompetenzraster für die Hochschullehre hilft dabei, zentrale Fähigkeiten übersichtlich zu strukturieren und sichtbar zu machen. Es unterstützt Lehrende systematisch, ihre eigenen Stärken zu erkennen, Entwicklungspotenziale aufzudecken und die eigene Lehre gezielt weiterzuentwickeln.
Ziel ist es, mit einer fundierten Selbsteinschätzung die Basis für kontinuierliche persönliche Weiterentwicklung zu schaffen und die Qualität der Hochschullehre langfristig zu erhalten.
Zielvorstellung: Kompetenzraster für Lehrende an der THA
Im Rahmen des Projekts gP cycle wird an einem anwendungsorientierten Kompetenzraster für Lehrende gearbeitet. Im Mittelpunkt steht eine einfache, digital gestützte Selbsteinschätzung, die eine unmittelbare Rückmeldung zu den eigenen Stärken und Entwicklungspotenzialen ermöglicht.
2025 (laufend)
- Erstellen von weiteren Fragesets für das Self-Assessment-Tool
- Kombination mit Selbstlernkursen auf Moodle
- Teilfragebögen am Tag der Lehre 2025
2022–2024
- Recherchen zu bestehenden Kompetenzrastern
- Konzeptionelle Aufstellung der Kompetenzfelder für das Kompetenzraster der THA
- Erstellung von Selbsttests zu ersten Kompetenzbereichen sowie erste Vertestungen mit Lehrpersonen an der THA in Moodle
Welche Kompetenzraster gibt es bisher? – eine Kurzübersicht
Im Folgenden stellen wir vier Kompetenzmodelle vor, die zentrale Perspektiven auf Lehrkompetenzen abbilden und sich außerdem durch ihre Struktur, Praxisnähe und Relevanz besonders in der Literatur hervorheben. Natürlich existieren darüber hinaus weitere Ansätze – die hier vorgestellten Modelle dienen jedoch als besonders prägnante und anschlussfähige Beispiele für die Weiterentwicklung von Lehrkompetenzen.
Das von Redecker (2017) entwickelte Modell richtet sich an Lehrende im internationalen Kontext und ist breit anwendbar. Es wurde auf Grundlage fundierter Literaturrecherchen, Diskussionen und Beratungen mit internationalen Fachleuten entwickelt.
Das Modell umfasst die sechs Kompetenzbereiche Berufliches Engagement, Digitale Ressourcen, Lehren und Lernen, Evaluation, Lernerorientierung und Förderung der digitalen Kompetenz der Lernenden. Diesen Bereichen sind 22 Kompetenzen zugeordnet.
Diese werden in sechs aufeinander aufbauenden Niveaustufen abgebildet, die sich an den sechs Stufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) von A1 bis C2 orientieren (Redecker, 2019, S. 22): A1 – Einsteiger:in, A2 – Entdecker:in, B1 – Insider:in, B2 – Expert:in, C1 – Leader:in und C2 – Vorreiter:in.
Die Kompetenzaussagen dieses Progressionsmodells können nicht nur der Orientierung dienen, sondern auch als Instrument zur Diagnostik und gezielten Weiterentwicklung individueller Fähigkeiten eingesetzt werden.

Das Modell von Eichhorn et al. (2017) richtet sich an Lehrende an Hochschulen, die digitale Kompetenzen erwerben oder erweitern möchten.
Es handelt sich um eine Erweiterung des JISC-Modells (2012, 2014), die sich an der Taxonomie nach Bloom orientiert.
Das Modell umfasst acht Kompetenzdimensionen mit jeweils den drei Kompetenzstufen Grundlagen, Praktische Anwendung, Weitergabe und Anleitung Anderer, die über präzise Kann-Beschreibungen definiert sind.
Diese Beschreibungen finden sich in einem Fragebogen zur Selbsteinschätzung, wodurch Lehrende ihren eigenen Entwicklungsstand erfassen und passende Weiterentwicklungsmaßnahmen ableiten können.

Das von Fleischmann et al. (2014) entwickelte Modell richtet sich an Lehrende an Hochschulen. Ziel ist es, ihre Lehrkompetenz sichtbar zu machen, systematisch zu erfassen und weiterzuentwickeln. Der Ansatz beruht auf pädagogischem und psychologischem Fachwissen sowie auf praktischen Erfahrungen aus Lehrbesuchen, Lehrberatungen und Fachgesprächen mit Hochschullehrenden.
Das Modell gliedert sich in die fünf Kompetenzbereiche Hochschuldidaktisches Wissen, Lehrkonzepte entwickeln, Lehrkonzepte umsetzen, Lehre organisieren und Lehre reflektieren und unterscheidet die drei Entwicklungsstufen Grundstufe, Aufbaustufe und Vertiefungsstufe, welche die professionelle Entwicklung in der Hochschullehre abbilden.
Mit leitenden Reflexionsfragen unterstützt das Modell Lehrende bei der Selbsteinschätzung und zeigt individuelle Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung auf.

Das Kompetenzmodell von Paetz et al. (2011) richtet sich an Lehrende an Hochschulen mit dem Ziel, durch die gezielte Förderung ihrer Lehrkompetenz einen Beitrag zur Professionalisierung der Hochschullehre zu leisten.
Das Modell wurde im Rahmen eines mehrstufigen Delphi-Verfahrens mit 34 Expertinnen und Experten entwickelt.
Es umfasst die drei Kompetenzbereiche Lehre, Prüfung und Akademische Selbstverwaltung, denen jeweils zehn spezifische Kompetenzen zugeordnet sind. Darüber hinaus wurde der Weiterbildungsbedarf zu diesen Kompetenzen erhoben und deren Relevanz gewichtet.
Das Modell beschreibt ein umfassendes Kompetenzprofil für Hochschullehrende, das als Soll-Zustand dient und somit Orientierung für individuelle Professionalisierungsprozesse bietet.

Welche weiteren Projekte verfolgen die Entwicklung von Kompetenzrastern?
- DigiKompASS (Universität Koblenz): Projektseite der Stiftung Hochschullehre, Projektseite der Universität Koblenz
- Projekt CapaDiLL (HdM Stuttgart): Projektseite der Stiftung Hochschullehre, Roadmap
- Projekt HessenHub (Netzwerk digitale Hochschullehre Hessen): Kompetenzen für die digitale Lehre – ein Online-Self-Assessment für Lehrende
Literatur
Eichhorn, M., Müller, R., & Tillmann, A. (2017). Entwicklung eines Kompetenzrasters zur Erfassung der „Digitalen Kompetenz" von Hochschullehrenden. In C. Igel (Hrsg.). Bildungsräume. Proceedings der 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft, 5. bis 8. September 2017 in Chemnitz. (S. 209–219). Waxmann. https://doi.org/10.25656/01:16147
Fiehn, J., Spieß, S., Ceylan, F., Harteis, C., & Schworm, S. (2012). LehreProfi – Entwicklung und Einsatz eines Instruments zur Erfassung hochschuldidaktischer Kompetenz. In R. Egger & M. Merkt (Hrsg.), Lernwelt Universität. Entwicklung von Lehrkompetenz in der Hochschullehre (S. 45–62). Springer VS. (Sekundärliteratur zu Paetz et al.)
Fleischmann, A., Jäger, C., & Strasser, A. (2014). Kompetenzmodell Hochschullehre. Welche Kompetenzen benötigen Lehrende an der Technischen Universität München? ProLehre. TUM. Link zur Broschüre
Paetz, N.-V., Ceylan, F., Fiehn, J., Schworm, S., & Harteis, C. (Hrsg.) (2011). Kompetenz in der Hochschuldidaktik. Ergebnisse einer Delphi-Studie über die Zukunft der Hochschullehre. VS Verlag.
Redecker, C. (2019). Europäischer Rahmen für die digitale Kompetenz Lehrender. DigCompEdu. Goethe-Institut e.V. Link zur Publikation
Didaktische Beratung
Wir unterstützen bei allen Anfragen zum Thema Kompetenzen für die Hochschullehre sowie zum Kompetenzraster für Lehrende an der THA sehr gerne. Einfach eine E-Mail schreiben an dmz-service(at)tha.de oder das Kontaktformular auf unserer Support-Seite ausfüllen.
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