Tag der Lehre 2016

Unter dem Titel „Lehre digital – Herausforderungen und Möglichkeiten“ diskutierten am 14. Januar 2016 deutsche und internationale Experten zur digitalen Zukunft der Lehre. Alle Vorträge wurden live gestreamt und stehen im YouTube-Kanal der Hochschule als Aufzeichnungen zur Verfügung.

Rund 150 Gäste aus ganz Bayern nahmen an dem intensiven Programm mit namhaften Experten teil. Die Impulse der verschiedenen Vorträge und Perspektiven fließen in die Weiterentwicklung der digitalen Lehre an der Hochschule ein.

Vorträge & Videos

Wer lehrt eigentlich wie und womit?

An unserer HSA sind viele Lehrende sehr engagiert und kümmern sich um eine attraktive und qualitätsvolle Lehre. Wir wollen dieses Engagement und diese Aktivitäten bekannt machen: Dr. Julia Sonnberger sprach mit Professor Kipp über Videoaufzeichnungen und nahm an einer Live-Online-Veranstaltung von Professor Stoll teil.

Prof. Dr. Michael Kipp, seit 2011 Professor für Interaktive Medien an der Fakultät für Informatik, unterstützt seit dem Wintersemester 2012/13 seine Lehre durch Videoaufzeichnungen. Damit gehört er zu den Ersten an der HSA, die ein solches Angebot zur Verfügung stellen. Videoaufzeichnungen von Vorlesungen – „das kann sich nicht nur Stanford oder das MIT leisten, sondern auch die Hochschule Augsburg“, so Professor Kipp.

Woher kam die Motivation? Veranlasst hat ihn seine Unzufriedenheit mit der Effizienz von traditionellen Vorlesungen. Das Problem sei, „dass wir bei 60 oder 100 Leuten so tun, als ob man 1,5 Stunden davon ausgehen kann, dass alle das gleiche Niveau und Tempo haben und dass zum Schluss jeder alles verstanden hat.“ Videos hingegen könne man sich so häufig ansehen wie man möchte, an verschiedenen Orten und zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Sehen sich die Studierenden die Lehrvideos an? Von seinen Studierenden bekommt Professor Kipp positive Rückmeldungen, das Angebot der Videoaufzeichnungen wird geschätzt. Trotzdem muss er keine Gefahr laufen, durch seine Videos ersetzt zu werden: „Viele Studierende geben an, dass ihnen die Präsenzveranstaltung lieber ist.“

Wie werden Videoaufzeichnungen in die Lehre integriert? Professor Kipp produziert zu bestimmten Themen circa zehnminütige „Erklär“-Videos, die sich die Studierenden bereits vor der Vorlesung ansehen können. Damit wird z. B. die Vermittlung der reinen Grundlagen auf die Videos verlagert, und in der eigentlichen Vorlesung ist vermehrt Zeit für vertiefende Fragestellungen, konkrete Anwendungsbeispiele sowie zusätzliche oder spezielle Nachfragen zur Thematik.

Darüber hinaus können die Lehrvideos ein „Ersatz“ der Vorlesung sein: Haben Studierende die Vorlesung vor Ort verpasst – sei es aufgrund Krankheit oder eines Jobs –, haben sie die Möglichkeit, sich die Inhalte der Vorlesungen nachträglich als Konserve anzusehen. Aber auch zur Vorbereitung von Übungen und in der Klausurenzeit zeigt sich der Mehrwert des Lehrvideos: „Man kann sich hinterher genau das ansehen, was man auch gehört hat, man kann langsamer stellen, schneller stellen und zurückspulen.“

Sind die Produktionen nicht sehr aufwändig? Kolleginnen und Kollegen, die sich für eine Videoaufzeichnung ihrer Vorlesungen interessieren, empfiehlt Professor Kipp, sich zunächst Videos von anderen anzusehen (Videos von Professor Kipp finden sich hier). Die Vorbereitung einer Vorlesungsaufzeichnung dauert im Grunde nicht viel länger als die Vorbereitung einer Vorlesung. Dabei sei „das Wichtigste bei der Videoproduktion, dass man nicht den perfekten Zustand eines Videos anstrebt“, so Prof. Kipp, der den Charme betont, den Lehrvideos für die Studierenden haben: „Man sitzt nebeneinander, und es guckt einem einer über die Schulter und erklärt einem das.“

Und die Kosten für die Technik? Auch hier gibt Prof. Kipp Entwarnung – er arbeitet mit einer sogenannten Screencast-Software (ca. 20 €), die es erlaubt, bestimmte Teile des Desktops aufzuzeichnen, und einem Headset (20 €). Wichtig sei, sich ein hochauflösendes, beschreibbares Tablet zu leisten (200–300 €), damit die Schrift gut lesbar ist.

Gemeinsam mit Studierenden hat Professor Stoll (Fakultät für Gestaltung) ein Konferenzsystem (Adobe Connect) in seiner Lehre ausprobiert. „Professionals meet students“ lautete die Veranstaltung, in der fünf Bachelorstudierende über das Konferenzsystem den Zwischenstand ihrer Abschlussarbeiten vor sieben „Professionals“ zeitsynchron präsentieren konnten. Nach den je 20-minütigen Live-Online-Präsentationen erhielten die Studierenden direktes und verbales Feedback von den „Professionals“. Nach der fast dreistündigen Live-Veranstaltung, die aufgrund der internationalen Beteiligung auf Englisch stattfand, waren die Studierenden zwar „fix und fertig“, aber sehr begeistert – insbesondere vom direkten Austausch mit den beteiligten Praktikern.

Aufgrund des großen Erfolgs möchte Professor Stoll dieses technisch gestützte Lehr-/Lernszenario (u. a. bekannt als Live-Online-Seminar) regulär einsetzen. Impulse bekam Herr Stoll durch seine Mitgliedschaft im „Adobe Education Leaders Programme“, einem Netzwerk mit weltweit 140 eLearning-affinen Professorinnen und Professoren. Die Mitgliedschaft ermöglicht u. a. die kostenfreie Nutzung des Tools und liefert – was noch viel bedeutender ist – die Motivation zum Einsatz der Tools in der Lehre. Über das Konferenzsystem meint Professor Stoll: „Das System selbst (Adobe Connect) ist bis dato das beste Conferencing-System, das mir untergekommen ist, vor allem, weil es die Bedürfnisse der Gestalter berücksichtigt: PDF-Streaming, Anmerkungen in den Präsentationen anbringen, Chat, privater Chat, Datei-Sharing … Außerdem können Konferenzen aufgezeichnet werden. Vor allem aber: Präsentationen können vorab auf den Server geladen werden und werden von dort hochauflösend an die Clients gestreamt.“ Hervorragendes Urteil bekamen zudem die Video- und Audioqualität sowie das Hochschulnetz der HS Augsburg, das ausreichende Stärke lieferte.

Waren Sie vielleicht während Ihres Studiums auch schon mal krank und haben eine Vorlesung versäumt? Oder hatten, ganz ehrlich, was Besseres zu tun? Da wäre es doch richtig gut gewesen, wenn man diese Lehrveranstaltung als Video von zuhause in aller Ruhe hätte ansehen können.

Vielleicht möchte man ab und zu Vorlesungsausschnitte mehrfach genießen, weil man diese nicht verstanden hat?

Seit diesem Semester versuche ich Teile meiner Lehrveranstaltung „Numerik und Informatik“ als Video in meinem gleichnamigen Moodle-Kurs den Studierenden zur Verfügung zu stellen. Anfangs dachte ich, dass dies richtig viel Arbeit macht, aber da wusste ich noch nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Ein Video von meiner Vorlesung heißt nicht, dass ich mich bei der Veranstaltung filmen lasse. Ich nehme nur vor oder nach der Veranstaltung meine Folien oder eben das, was sich auf dem Bildschirm abspielt (das können auch handschriftliche Notizen auf meinem Tablet-PC sein), auf und spreche dazu. Mit dem Programm Camtasia ist das ganz einfach und auch nicht teuer (Lehrlizenz 169 €). Man hat auch jede Menge Möglichkeiten, Texte und Symbole einzubauen und auch den Ton zu bearbeiten. Und wie bekommt man die riesigen Videodateien ins Moodle? Bei einer maximalen Dateigröße von 32 MB hielt ich das für aussichtslos. Aber meine größte Datei ist ca. 20 MB groß und läuft 12 Minuten. Länger als 15 Minuten würde ich eine Videosequenz ohnehin nicht machen. Irgendwann klingelt beim Aufnehmen das Telefon oder meine Frau holt mich zum Abendessen …

Ihr Professor Ulrich Thalhofer