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Artificial Intelligence and Decision Making

 

Fortschrittliche Methoden des maschinellen Lernens, des symbolischen und neuro-symbolischen Reasonings sowie des planbasierten Handelns befähigen Physical-AI-Systeme zu robusten, adaptiven und nachvollziehbaren Entscheidungen in komplexen, unsicheren und dynamischen Umgebungen. Insbesondere im Kontext industrieller Anwendungen und sicherheitskritischer Systeme ist die Kombination von datengetriebenen Lernansätzen mit expliziten Wissensrepräsentationen von entscheidender Bedeutung, um die Transparenz, Erklärbarkeit und Verlässlichkeit von Entscheidungsprozessen zu gewährleisten.

Zentrale Forschungsansätze konzentrieren sich auf die Entwicklung neuro-symbolischer KI-Architekturen (NSAI), die die Stärken neuronaler Netze im Bereich der Mustererkennung und Adaptivität mit den Vorteilen symbolischer Systeme, wie logischer Konsistenz, Constraint-Beachtung und formaler Nachvollziehbarkeit, verbinden. Dabei wird die Entscheidungsfindung nicht allein durch rein datenbasiertes Lernen, sondern durch eine intelligente Kooperation von Lernen und logischem Reasoning gestaltet. Ein zentrales Konzept ist die Anwendung von Actor-Critic-Architekturen, bei denen generative KI-Modelle (wie große Sprachmodelle, LLMs) als kreative Generatoren für mögliche Handlungsstrategien dienen, während symbolische Systeme als „Critic“ zur Validierung dieser Strategien und zur Einhaltung kritischer physikalischer, sicherheitstechnischer und operativer Einschränkungen fungieren. Dies ermöglicht eine Balance zwischen Kreativität und Sicherheit, die besonders für hochsensible Anwendungen entscheidend ist.

Im Bereich Multi-Agenten-Systeme (MAS) und agentenbasierte Multi-Agenten-Systeme (ABMS) werden dezentrale, lernfähige Agentenarchitekturen entwickelt, die in verteilten, kooperativen Umgebungen agieren können. Diese Systeme nutzen Reinforcement Learning (RL) in Verbindung mit digitalen Zwillingen (Digital Twins, DT) zur effizienten Offline- und Online-Optimierung von Koordinations- und Planungsstrategien. Dabei wird die hohe Rechenkomplexität durch Surrogate-Modellierung reduziert, wodurch die Sim-to-Real-Transferfähigkeit von Lernstrategien erheblich verbessert wird. Die Forschung zielt darauf ab, digitale Zwillinge nicht nur als reine Simulationssysteme, sondern als lernfähige, selbst-adaptierende Plattformen zu gestalten, die durch KI-gestützte Modellierung und physikinformierte Lernansätze immer präzisere Vorhersagen und Entscheidungsvorschläge liefern.

In den industriellen Anwendungen von Industrie 4.0 wird diese Forschung direkt in realen Produktionsumgebungen eingesetzt. Dazu gehören die dynamische Produktionsplanung und -steuerung (z. B. flexible Job-Shop-Scheduling), die Optimierung von intralogistischen Systemen (wie AGV-Steuerung und Materialflussoptimierung) sowie die prädiktive Wartung von Maschinen. Hier ermöglichen digitale Zwillinge eine sichere und effiziente Entwicklung von Entscheidungssystemen, während neuro-symbolische Ansätze die Transparenz und Zuverlässigkeit der Entscheidungen erhöhen. Insbesondere in der Automobilindustrie und im Sondermaschinenbau werden diese Technologien zur Verbesserung der Produktionsflexibilität, Effizienz und Resilienz eingesetzt.

In der Robotik werden die entwickelten Ansätze für kollaborative Roboter (Cobots) und autonome mobile Plattformen genutzt, um adaptiv und sicher im menschlichen Arbeitsumfeld zu agieren. Durch die Kombination von RL in virtuellen Umgebungen mit Surrogate-Modellen und neuro-symbolischer Planung werden komplexe Aufgaben wie Bewegungsplanung, Objekterkennung und interaktive Steuerung realitätsnah trainiert und validiert. Dies führt zu robusteren, lernfähigen und menschenzentrierten Robotersystemen.

In den Cyber-Physical Systems (CPS) wird die Integration von Sensordaten, physikalischen Modellen und kognitiven Entscheidungslogiken ermöglicht, um Systeme zu schaffen, die in Echtzeit auf Veränderungen reagieren, selbstständig lernen und dabei technische und betriebliche Einschränkungen einhalten. Dies ist entscheidend für Anwendungen wie intelligente Energienetze, autonome Fahrzeugsysteme und industrielle Automatisierungslösungen.

In der medizinischen Diagnose werden die Methoden auf Anwendungen wie die automatisierte Analyse von Blutbildern, Ultraschallbildern und EEG-Daten angewendet. Hier dient neuro-symbolische KI dazu, die Erkennung von pathologischen Mustern zu verbessern, während gleichzeitig die Entscheidungslogik transparent und nachvollziehbar bleibt. Insbesondere bei der EEG-Analyse wird die Kombination von tiefen Lernmodellen zur Mustererkennung mit regelbasiertem Wissen zur Interpretation von Hirnaktivitäten genutzt, um epileptische Anfälle oder andere neurologische Störungen präziser zu diagnostizieren. Bei der Blutbildanalyse und Ultraschallbildinterpretation wird die KI dazu eingesetzt, klinisch relevante Merkmale automatisch zu identifizieren und Ärzten fundierte Entscheidungshilfen zu bieten, unter Berücksichtigung von medizinischen Leitlinien und klinischem Expertenwissen.

Zusammenfassend verbindet die Forschung die modernen Paradigmen des maschinellen Lernens mit der Tiefenstruktur symbolischer KI und der praktischen Relevanz von Agenten- und Multi-Agentenarchitekturen, um skalierbare, einschränkungskonforme und menschzentrierte Entscheidungssysteme für die nächste Generation von Physical-AI und Industrie 4.0 zu entwickeln. Die Anwendungen reichen von der industriellen Produktion und Robotik über Cyber-Physical Systems bis hin zur medizinischen Diagnostik, mit einem gemeinsamen Fokus auf Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Adaptivität.

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Hon. Dr. of ONPU Thorsten Schöler

Informatik
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Foto: Thorsten Schöler

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