Seitenpfad:

Eine Stadt im Wandel: E2D Exkursion nach Berlin

 
Abbildung 1: Berlin und die Wohnungsfrage (Bild: Exkursionsteilnehmende)
08.06.2026

In der Exkursionswoche vom 11.-15. Mai ging die Reise im Sommersemester 2026 nach Berlin. Der Schwerpunkt der Exkursion lag auf Erkundungen zu Städtebau und Architektur, zu nachhaltiger Stadtentwicklung und Infrastruktur, aber auch zu sozialen Problemlagen und zivilgesellschaftlichem Engagement in der Stadtplanung.

 

Jedes Jahr im Mai bietet der Studiengang Energieeffizientes Planen und Bauen der Fakultät für Architektur und Bauwesen eine Exkursion für Studierende an. Dieses Jahr ging die Exkursion nach Berlin. 16 Studierende aus dem vierten Semester entwickelten mit zwei Dozenten im Vorfeld gemeinsam die Grundzüge für ein Exkursionsprogramm. Jeweils zwei Studierende übernahmen die konkrete Planung, auch im Hinblick auf veränderliche Gegebenheiten (z.B. Wetterlage) vor Ort.

Grobplanung der Exkursion im Vorfeld mit Anpassungen vor Ort.
Abbildung 2: Grobplanung der Exkursion im Vorfeld mit Anpassungen vor Ort.

Montag

 

Station 1: Reichstagsgebäude

Nach der eigenständigen Anreise zur Unterkunft in Berlin-Mitte machte sich die Gruppe auf den Weg zur Besichtigung der Reichstagskuppel im Deutschen Bundestag. Von der Kuppel aus hat man einen hervorragenden Überblick über zahlreiche architektonische und städtebauliche Highlights der Stadt. Die Informationen des Audioguides sind auf die Standorte abgestimmt und liefern einen sehr guten Einstieg zur Orientierung der 3,5 Millionen-Einwohner Metropole. Eine Ausstellung zu Geschichte und Gegenwart des politischen Berlins liefert weitere interessante Eindrücke.

Die Exkursionsgruppe auf der Dachterrasse des Deutschen Bundestags
Abbildung 3: Die Exkursionsgruppe auf der Dachterrasse des Deutschen Bundestags (Foto: Exkursionsteilnehmende)

Station 2: Futurium

Im Anschluss ging es an der Spree entlang Richtung Hauptbahnhof in das Futurium, ein teilinteraktives Museum, das einen offenen Blick in die Zukunft wagt: Wie wollen wir in Zukunft leben? Ein Ort, der zeigt, wie wir heute die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen können: in den Bereichen Natur, Mensch und Technik. Mit dem E2D-Blickwinkel konnte man innovative Konzepte entdecken: von klimaneutralen Gebäuden über smarte Stadtquartiere bis hin zu kreislauforientierten Baustoffen, alles für eine ressourcenschonende und lebenswerte Zukunft.

Station 3: Pariser Platz

Zum Abschluss des Tages erkundeten wir den Bereich rund um den Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor, welches heutzutage weltweit für Frieden, Freiheit und die deutsche Wiedervereinigung steht, sowie das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Das Denkmal hinterließ einen tiefen Eindruck, auch durch seine architektonische Wirkung. Die streng angeordneten, unterschiedlich hohen Betonstelen formen ein rasterartiges Feld, das beim Durchqueren eine beklemmende räumliche Enge erzeugt und die monumentale Gestaltung unmittelbar erfahrbar macht. Ein gemeinsames Abendessen in den Hackeschen Höfen, die durch ihre besondere Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie geprägt sind, rundete den ersten Tag unserer Exkursion stimmig ab.

Dienstag

 

Station 1: Führung Nachhaltige Stadtentwicklung

Der Dienstag begann mit einer Führung durch den Stadtplaner Christian Hajer am „Allesandersplatz“ (kein Schreibfehler!) um das ehemalige Haus der Statistik der DDR. Das Quartier wird nach langjährigem Leerstand derzeit zu einem Modellprojekt für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung transformiert. Es entsteht ein Raum für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung, bezahlbares Wohnen, öffentliche Verwaltung sowie das Rathaus der Zukunft des Bezirks Mitte. Das Areal im Herzen Berlins wird gemeinsam durch Stadtgesellschaft und öffentliche Hand kooperativ entwickelt.

Die Führung ging weiter über den stark versiegelten und hitzebelasteten Alexanderplatz in Richtung Humboldt-Forum. Die klimaresiliente Umgestaltung dieses Areals durch Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen stößt hier auf klassische Zielkonflikte der heutigen Stadtplanung, u.a. durch dichte und hohe Neubauten, die die Durchlüftung blockieren und die thermische Belastung negativ beeinflussen.

Nachhaltige Stadtentwicklung für ein lebenswertes Berlin. Stadtplaner Christian Hajer vor einem Plan zur Klimaanpassung am Alexanderplatz
Abbildung 5: Nachhaltige Stadtentwicklung für ein lebenswertes Berlin. Stadtplaner Christian Hajer vor einem Plan zur Klimaanpassung am Alexanderplatz (Foto: Exkursionsteilnehmende)

Weitere Stationen der Führung waren das Flussbad Berlin, eine Initiative, die unter anderem durch „Mit-Schwimm-Demos“ das Baden in der Spree in der Innenstadt ermöglichen möchte, und das international beachtete Regenwassermanagement am Potsdamer Platz. Hier ist nach Konzepten des renommierten Landschaftsarchitekten und Wasserkünstlers Herbert Dreiseitl ein prestigeträchtiges und kreislauffähiges Schwammstadtkonzept umgesetzt worden.

Abbildung 6: Wasser und Kunst am Potsdamer Platz (Foto: Exkursionsteilnehmende).
Abbildung 6: Wasser und Kunst am Potsdamer Platz (Foto: Exkursionsteilnehmende).

Station 2: Berlin-Kreuzberg und Friedrichshain

In Berlin Kreuzberg gibt es auch ohne genauen Plan viel zusehen. Wir haben es besonders genossen, die Vielfalt des Viertels zu Fuß kennenzulernen. Bei dieser Gelegenheit haben wir uns einige Gebäude der Internationalen Bauausstellung (IBA) aus dem Jahr 1987 angeschaut, unter anderem den INA Kindergarten. Das ehemalige Parkhaus wurde in einem vielbeachteten Konversionsprojekt im Rahmen der IBA zu einem Kindergarten umgebaut.

Auf dem Weg vom Modulor-Bastelladen zum FHXB-Museum (Friedrichshain/Kreuzberg) erkundeten wir einen offenen Nachbarschafts- und Inklusionsgarten, ein kleines grünes Paradies mitten in der Stadt, das uns sehr beeindruckt hat.

Offener Nachbarschafts- und Inklusionsgarten am Moritzplatz, Kreuzberg
Abbildung 7: Offener Nachbarschafts- und Inklusionsgarten am Moritzplatz, Kreuzberg (Foto. Exkursionsteilnehmende)

Im Museum konnten wir in einer kostenlosen Ausstellung die historische Entwicklung Kreuzbergs nachverfolgen. Vor allem die stadtpolitischen Hintergründe der Wohnungsnotlage im West-Berlin der 1980er Jahre und die gesellschaftspolitischen Spannungen im Zusammenhang mit der Hausbesetzerszene wurden in der Ausstellung anschaulich dargestellt. Von dort aus ging es für uns gegen Abend zur Sonnenallee, um die kulinarische Vielfalt in dem bekannten Straßenzug von Neukölln zu entdecken.

Umgestaltung eines ehemaligen Parkhauses zu einem Kindergarten in Berlin-Kreuzberg im Rahmen der Internationen Bauausstellung Berlin 1987
Abbildung 8: Umgestaltung eines ehemaligen Parkhauses zu einem Kindergarten in Berlin-Kreuzberg im Rahmen der Internationen Bauausstellung Berlin 1987 (Foto: Exkursionsteilnehmende).
Paradigmen der Stadtplanung  in Berlin-Kreuzberg aus den 1950er Jahren
Abbildung 9: Paradigmen der Stadtplanung in Berlin-Kreuzberg aus den 1950er Jahren (Foto: Exkursionsteilnehmerin)

Mittwoch

 

Station 1: Querstadtein „Draußen schlafen ist eine Kunst“

Der Mittwoch begann mit einer Führung durch einen ehemaligen Obdachlosen. Der Verein Querstadtein bietet entsprechende Touren an, um Besucherinnen und Besuchern das Leben auf den Straßen Berlins näher zu bringen. Unser Tourenführer Uwe Tobias war nach persönlichen Schicksalsschlägen in der ehemaligen DDR sieben Jahre in Haft und nach der Wende viele Jahre obdachlos. Er zeigte uns einige Standorte vom Hauptbahnhof über die Charité bis zur Friedrichstraße aus der Perspektive obdachloser Menschen, die sich in Berlin durchschlagen.

Station 2: Rummelsberger Bucht 49 und Lichtenberg

Nachmittags besuchten wir das städtebauliche Transformationsprojekt an der Rummelsberger Bucht. Früher wurden hier Eisblöcke verschifft und Kohle gelagert, heute entstehen entlang der attraktiven Wasserlage neue Arbeitswelten, Ateliers und Wohnungen. In dem Stadtteil zwischen Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg sind Umnutzungen ehemaliger Industriegebäude und eines Gefängnisses zu Wohnungen gelungen, die Umfeldplanung setzt mit einer klimaresilienten Grün- und Freiraumplanung auf moderne Schwammstadtkonzepte.

Die Rummelsberger Bucht im Stadtteil Lichtenfeld
Abbildung 10: Die Rummelsberger Bucht im Stadtteil Lichtenfeld (Foto:Exkursionsteilnehmende).

Station 3: East Side Gallery und R.A.W. Gelände

Auf dem Weg zu unserer nächsten Station, dem R.A.W. Gelände, kamen wir an der East Side Gallery vorbei. Das bekannte Denkmal im Stadtteil Friedrichshain ist als dauerhafte Open-Air-Galerie auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer entlang der Spree auch heute noch sehenswert. Den Abend verbrachte die Gruppe dann im Kulturzentrum des R.A.W. Geländes. Das ehemalige Industriegelände ist heute ein beliebter Veranstaltungsort und eine Zentrum der Kreativszene und des Berliner Nachtlebens.

Städtebauliche Transformation in Friedrichshain: Das Kulturzentrum am ehemaligen Reichsbahnausbesserungsgelände (R.A.W.)
Abbildung 11: Städtebauliche Transformation in Friedrichshain: Das Kulturzentrum am ehemaligen Reichsbahnausbesserungsgelände (R.A.W.) (Foto: Exkursionsteilnehmende).

Donnerstag

 

Karl-Marx-Allee und Berlin-Mitte

Auch am Feiertag (Christi Himmelfahrt) begannen wir den Tag mit einer Führung, dieses Mal durch die vormalige Stalinallee, die noch zu DDR-Zeiten im Zuge der geschichtlichen Aufarbeitung der Kriegsverbrechen von Josef Stalin in Karl-Marx-Allee umbenannt wurde. Die repräsentativen Bauten der jungen DDR fanden hier ihren Ausdruck in einer Architektur, die heute als sozialistischer Klassizismus bezeichnet wird, sich in der Folge durch die Einflüsse preußischer Bautraditionen aber eigenständig weiterentwickelte. Die Kunsthistorikerin Jana Klee (panorama b) erläuterte uns sehr eindrucksvoll die geschichtlichen Zusammenhänge einer Architektur, die zunächst die Baustile Moskaus übernahm und sich als repräsentatives Zentrum für einen jungen und aufstrebenden Staat verstand. In der Folge wurden die Einflüsse einer Architektursprache, die u.a. durch Hermann Henselmann und Karl Friedrich Schinkel geprägt wurde, im Erhalt und einem

DDR-Architektur am Café Moskau in Berlin-Mitte
Abbildung 12: DDR-Architektur am Café Moskau in Berlin-Mitte (Foto: Exkursionsteilnehmende).
 

pragmatischem mit dem Gebäudebestand sichtbar. Die Weiterentwicklung des Gebäudebestandes nach der Wende, z.B. über Umnutzungen und energetische Modernisierung, ist längst nicht abgeschlossen.

Den Nachmittag verbrachten die Studierenden auf eigene Faust in Berlin, ehe wir uns abends zu einem kulinarischen Highlight (nordirakische Küche) in der Nähe unserer Unterkunft in Berlin-Mitte wieder zusammenfanden.

 
Die Kunsthistorikerin Jana Klee bei der Architekturführung durch die Karl-Marx-Allee
Abbildung 13: Die Kunsthistorikerin Jana Klee bei der Architekturführung durch die Karl-Marx-Allee (Foto: Exkursionsteilnehmende)

Freitag

 

Tempelhofer Feld

Den Besuch des Tempelhofer Feldes, der am Dienstag aufgrund des Regens leider ins Wasser gefallen war, konnten wir am Freitagvormittag bei außergewöhnlich schönem Sonnenschein nachholen. Dabei waren wir besonders von der Weite des Geländes und dem kreativen Aktionismus vor Ort beeindruckt. Die Ausstellung im ehemaligen Flughafengebäude des Tempelhofer Feldes zeigt die bewegte Geschichte des Areals, von den Ausbauplänen des Nationalsozialismus Weltkrieg über die Bedeutung als zentraler Ankunftsort im geteilten Berlin bis hin zum Tempelhofer Feld-Gesetz von 2014. Das Gesetzt folgte einem Volksentscheid, der eine Bebauung des 355 Hektar großen Areals eigentlich ausschließt. Aufgrund des hohen Drucks auf den Wohnungsmarkt in Berlin werden die Bestimmungen des Gesetzes, vor allem im Hinblick auf Potenziale zur Randbebauung, heute wieder neu diskutiert.

Zivilgesellschaftliche Urban Gardening-Projekte am Tempelhofer Feld
Abbildung 14: Zivilgesellschaftliche Urban Gardening-Projekte am Tempelhofer Feld (Foto: Exkursionsteilnehmende).

Zum Abschluss unserer Exkursion ließen wir die vergangenen Tage in Berlin noch einmal gemeinsam Revue passieren und tauschten in großer Runde unsere persönlichen Highlights und Eindrücke der Reise aus. Danach trennten sich unsere Wege und wir begaben uns auf die individuelle Heimreise.

Die Exkursionsgruppe vor den Gemeinschaftsgärten des Tempelhofer Feldes
Abbildung 15: Die Exkursionsgruppe vor den Gemeinschaftsgärten des Tempelhofer Feldes (Foto: Exkursionsteilnehmende).