Unsichtbare NS-Architektur
Studierende machen unsichtbare Bauwerke wieder sichtbar
Wann
Eröffnung am 23.01.2026
16 - 20 Uhr
24. und 25.01.2026
sowie
30.01 - 01.02.2026
10 - 18 Uhr
Wo
die Stube
Barfüßerstraße 8
86150 Augsburg
Das Dritte Reich hat Spuren hinterlassen – auch architektonisch. Der Nazionalsozialismus war eine menschenverachtende Ideologie, die Millionen Menschen in den Tod führte. Basierend auf einer vermeintlich wissenschaftlichen Rassenlehre, die Menschen in Menschen unterschiedlicher Klassen einteilte und zu Deportation, Krieg und Zerstörung führte. Architekten und Bauingenieure (Bauschaffende) waren beauftragt für dieses Regime die entsprechende Architektur und Infrastruktur zu schaffen. Wir möchten mit diesem Projekt einige baulichen Spuren sichtbar machen, um an vergessene Orte und deren Geschichte zu erinnern.
Maßstab sprengende repräsentative Bauten waren Ausdruck einer Herrenrasse nicht nur für die zukünftige Hauptstadt Germania (Berlin) oder die Stadt der Bewegung (München), sondern auch für ländliche Orte wie den Hesselberg in Franken, mit einer weithin sichtbaren „Adolf Hitler Schule“. Im Kriegsverlauf rückten diese Vorhaben in den Hintergrund und Bauten für die Kriegsführung und Rüstungsindustrie wurden notwendig. Mit zunehmendem Kriegsverlauf fehlten allen produzierenden Betrieben die Arbeiter, die das Regime durch den Einsatz von ca. 7 Millionen Kriegsgefangenen und zusätzlich Häftlingen aus den Konzentrationslagern auszugleichen versuchte.
Augsburg war in dieser Zeit ein wichtiger Rüstungsstandort mit Betrieben wie MAN und Messerschmidt für Motoren und Flugzeuge. So entstanden in dieser Zeit zahlreiche Zwangsarbeitslager wie in Haunstetten und Oberhausen. Alle gebaut als einfache Baracken, die modular in Holz vorgefertigt wurden. Die Rüstungsproduktion wurde in den letzten Kriegsjahren ausgelagert in von Wäldern geschützte Regionen, wie in Horgau und Zusmarshausen in den westlichen Wäldern oder Fischen im Allgäu – jedoch immer verbunden mit menschenunwürdigen Arbeitslagern.
Ganze Flugplätze von Schongau im Allgäu bis Deiningen und Heuberg im Ries sind entstanden, um die Kriegsmaschinerie voranzutreiben und zu erproben. Die begleitenden Bauten der Flugsicherung waren oft getarnt als einfache Bauernhöfe. Oft versucht geheim zu halten und von Einheimischen liebevoll, verschwörerisch, unwissend als die „Muna“ bezeichnet, waren grosse Produktionsstätten für Sprengstoff und Munition in den von Blicken geschützten Wäldern Bayerns. Von Geretsried, Bobingen, bis in die Nähe von Ulm sind aus dieser Zeit Betonreste dieser Anlagen in den Wäldern erhalten und für viele unerklärlich.
Es ist Ziel dieses Projektes bauliche Reste aus dieser Zeit zu rekonstruieren und dadurch Unsichtbares sichtbar zu machen, um an Orte, Geschichte und Geschichten zu erinnern, die oft als „notwendiges Gebautes“ abgetan werden. Doch jeder dieser Orte ist voll von Leid und Unrecht. Und was wir hier in dieser Ausstellung mittels aktueller Technik (Augmented Reality) versuchen zu zeigen, ist lediglich ein kleiner Ausschnitt der damals gebauten schrecklichen Realität.
Doch gibt es auch seltsam Wunderbares aufzuzeigen. Zwangsarbeiter und Juden konnten nach Kriegsende nicht mehr in ihr ehemaliges Zuhause reisen. Vertriebene aus dem Osten suchten Wohnraum. Und so wurden oftmals Baracken und ehemalige Rüstungsbetriebe zu Orten der Ankunft und Start für neue Städte und neues Leben.
Ansprechpartner | |
Telefon: | +49 821 5586-2118 |

