Plurilinguales Projekt
Se parlo italiano posso capire lo spagnolo? ¿Si hablo español puedo entender el italiano?
Die konzeptionelle Basis bilden die Richtlinien des Begleitbandes zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (Europarat, 2020), die im Fremdsprachenunterricht die Entwicklung plurilingualer und plurikultureller Kompetenzen forcieren.
Die zentralen Konzepte, auf die man zur Förderung und Anregung des plurilingualen Verstehens einwirken sollte, sind: die Fähigkeit, offen und bereit zu sein, mit verschiedenen Elementen unterschiedlicher Sprachen zu arbeiten, die Fähigkeit, Hinweise und Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen zu nutzen, sowie das Verstehen paralleler Quellen in verschiedenen Sprachen ab dem Niveau B1 (Europarat, 2020)
Als didaktische Grundlage des vorliegenden Projekts dient das Projekt EuroRom5, das im Bereich der schriftlichen Interkomprehension entwickelt wurde und sich auf fünf romanische Sprachen bezieht. Der Ansatz der Interkomprehension zielt darauf ab, bereits vorhandene Sprachkenntnisse systematisch zu nutzen, um die Lesefähigkeit in fünf verwandten romanischen Sprachen (Spanisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch und Katalanisch) zeitnah aufzubauen und sich gleichzeitig mit mehreren Sprachen zu beschäftigen (Bonvino, 2011).
Beschreibung des Projekts und durchgeführte Aktivitäten
Der Titel des Projekts lautet:
Se parlo italiano posso capire lo spagnolo? ¿Si hablo español puedo entender el italiano?
Einmal jährlich finden im Rahmen der Kurse Wirtschaftsspanisch 5 (Niveau B1) und Wirtschaftsitalienisch 5 (Niveau B1) jeweils drei Sitzungen von 60 bis 90 Minuten statt. Ziel dieser Treffen ist die Durchführung verschiedener progressiver und zunehmend komplexer Verstehensaktivitäten in beiden Sprachen, von denen einige einen interkulturellen Schwerpunkt aufweisen.
Die folgenden Beschreibungen der drei Treffen sind exemplarisch und beziehen sich auf vergangene Durchläufe.
Das erste Treffen zwischen den zwei Gruppen (Italienisch trifft Spanisch) diente dem Kennenlernen durch einen bilingualen Dialog zu zweit, in dem jede/r Studierende in der eigenen Zielsprache kommunizierte und versuchte, die Fragen und Antworten des Gegenübers zu verstehen, das in der verwandten Sprache sprach, wobei sowohl phonologische als auch morphosyntaktische und lexikalische Ähnlichkeiten genutzt wurden. Nach dem Dialog hatten die Studierenden die Möglichkeit, anhand eines Arbeitsblattes grundlegende Kommunikationsphrasen zu analysieren und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Italienisch und Spanisch zu vergleichen.
Das zweite Treffen wies einen stärker ausgeprägten interkulturellen Charakter auf, zum Beispiel das Erkennen von Musik und Liedern beider Sprachen und das Erhalten kultureller Informationen über typische Tänze Italiens, Spaniens oder Lateinamerikas, ergänzt durch zwei Tanzworkshops von externen Gästen: Pizzica aus Apulien, mit Roberta Pisaniello (Kulturverein La Paranza) und kubanische Timba mit Ariel López (Tanzschule BAILA).
Die bedeutendste und komplexeste Erfahrung fand im dritten und letzten Treffen statt, bei dem eine oder mehrere Referenten bzw. Referentinnen aus den Zielländern ein wirtschaftliches Thema präsentierten, wobei ein erster Teil auf Spanisch und der zweite auf Italienisch erläutert wurde. Der Vortrag dauerte etwa eine halbe Stunde und beinhaltete geplante Pausen, damit die Studierenden in gemischten Gruppen (zwei Spanisch- und zwei Italienischlernende) ihre Notizen austauschen und sich gegenseitig beim Verständnis unterstützen konnten (Sprachmittlung im Sinne des GER). Das Sprachniveau der Vorträge war zwischen B1 und B2.
Zum Abschluss der Erfahrung verfassten die Studierenden eine schriftliche Zusammenfassung (ca. 200 Wörter) in ihrer jeweiligen Lernsprache. Als Grundlage dienten ihre Notizen sowie Leitfragen zum Inhalt der Vorträge. Optional konnten sie die Zusammenfassung um eine persönliche Stellungnahme zu den behandelten Themen ergänzen. Zur Bewertung der Wirksamkeit des Projekts wurde in allen vier Kursdurchläufen (von 2023 bis 2026) ein Feedbackfragebogen mit fünfzehn Fragen auf Deutsch eingesetzt, an dem insgesamt 105 Studierende teilnahmen (57 Spanisch, 48 Italienisch). Die wichtigsten Fragen bezogen sich auf das Verständnis der verwandten Sprache und dienten uns zur Verbesserung der Aktivitäten.
Schlussfolgerungen der Dozentinnen und Zukunftsperspektiven
Aus der Perspektive der Lehrenden verdeutlicht das Projekt, dass plurilinguale Kompetenz kein abstraktes theoretisches Konzept ist, sondern durch gezielte Aktivitäten entwickelt werden kann.
Angesichts der Erfahrungen der letzten vier Jahre besteht das Ziel nicht mehr darin, zu experimentieren, sondern diese Praxis innerhalb des Lehrangebots zu stabilisieren und zu systematisieren, um eine fundierte Datenerhebung zu ermöglichen.
Dies impliziert:
- die strukturelle Integration in die Curricula der B1-Kurse,
- die Standardisierung der Aktivitäten und des Feedbackbogens
- sowie die Möglichkeit, das Modell auf weitere Sprachkombinationen auszuweiten.
Wenn dieser Ansatz konsequent weitergeführt wird, stellt er nicht nur eine didaktische Ergänzung dar, sondern einen Perspektivwechsel: Die Studierenden betrachten Sprachen nicht mehr als voneinander isolierte Systeme, sondern lernen, diese als zusammenhängendes sprachliches Repertoire wahrzunehmen und strategisch einzusetzen. Auf diese Weise entwickeln sie jene plurilinguale und plurikulturelle Kompetenz, die im Ergänzungsband des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) konzeptuell verankert und explizit gefordert wird.
Das ZSI der THA dankt den folgenden Dozentinnen und Dozenten, die am Projekt teilgenommen und unentgeltlich Vorträge zu ihren jeweiligen Fachgebieten gehalten haben. Ihr Beitrag hat es ermöglicht, wirtschaftliche und kulturelle Themen zu vertiefen:
Julio César Battaglia (Firma Showstars), Ariel López (Tanzschule BAILA), Roberta Pisaniello (Associazione La Paranza), Dott.ssa Karen Grando (Technische Hochschule Augsburg), Prof. Dr. Ivan Ureta (GCSP Genève).
Referenzen
Bonvino, E., Caddéo, S., Serra, E. V., & Pippa, S. (2011). EuRom5: Lire et comprendre cinq langues romanes.
Europarat (2020). Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lehren, lernen, beurteilen. Begleitband. Stuttgart: Ernst Klett.




