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TTZ Gersthofen setzt auf digitale Innovationen für wasserstoffbasierte Leichtbautechnologien
4. Regionale Zukunftskonferenz Wasserstoff 2026 zeigt große Vielfalt konkreter Projekte
Die Veranstalter – der Regionale Fachbeirat Wasserstoff und die Regionale Koordinierungsstelle Wasserstoff – zeigten sich erfreut über das anhaltend große Interesse und das wachsende Engagement der regionalen Akteure und luden zur aktiven Mitwirkung in der Technologieregion ein.
Diese industrielle Wasserstoff-Stärke in der Region Bayerisch-Schwaben wird eng durch Forschung begleitet. Am Technologietransferzentrum (TTZ) der Technischen Hochschule Augsburg in Gersthofen werden neue Konzepte zur Wasserstoffkühlung entwickelt. „In den kommenden Jahren können wir gemeinsam mit Unternehmen rund sieben Millionen Euro in digitale Innovationen für wasserstoffbasierte Leichtbautechnologien investieren“, so Prof. Dr.-Ing. André Baeten, Experte für Wasserstofftechnologien und wissenschaftlicher Leiter am TTZ Gersthofen. Auch die Universität Augsburg treibt zentrale Grundlagen voran. Prof. Richard Weihrich erläuterte Forschungsarbeiten zur Effizienzsteigerung von Elektrolyseuren und zur Materialentwicklung für den sicheren Umgang mit Wasserstoff.
Wasserstoff ist konkurrenzfähig
Zum Auftakt der Konferenz kritisierte Prof. Dr. Schlögl, Präsident der Humboldt-Stiftung und wesentlicher Gestalter der Kopernikus-Projekte des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und der damit verbundenen Energieflexiblen Modellregion Augsburg, die aktuelle öffentliche Debatte: „Zögerlich, aber zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein rein elektrisches Energiesystem nicht funktionieren kann und wir Wasserstoff als Energieträger benötigen. Während diese Erkenntnis in außereuropäischen Energiesystemen konsequent umgesetzt wird, versuchen wir in Europa die Nutzung von Wasserstoff möglichst zu marginalisieren – mit dem Ergebnis einer wasserstoffaversen Haltung.“
Dass diese Skepsis nicht zwingend gerechtfertigt ist, zeigte Dr. Tobias Christoph Brunner von HYNERGY GmbH in seiner Keynote zur wettbewerbsfähigen Elektrolyse. Seine Anlagen in Pfeffenhausen produzieren bereits heute grünen Wasserstoff zu konkurrenzfähigen Konditionen.
Erste Industrieunternehmen steigen um
Unterstützung kam deutlich aus der Industrie. Dr. Jürgen Guldner von der BMW Group erklärte: „BMW ist überzeugt, dass Wasserstoff eine wichtige Rolle in der Energiewende spielen wird – etwa zur langfristigen Speicherung erneuerbarer Energie oder zum Transport über größere Entfernungen.“ BMW setzt Wasserstoff nicht nur im neuen BMW X5 Hydrogen ein, sondern nutzt ihn bereits in der Produktion, der Intralogistik, der LKW-Logistik sowie in energieintensiven Prozessen wie der Lackiererei.
Andere Unternehmen sind bereits einen Schritt weiter. Die Ziegelei Janinhoff stellt ihren Produktionsprozess vollständig auf Wasserstoff um – im laufenden Betrieb. „Wer morgen bestehen will, muss heute den Mut zum Wandel haben“, betonte Dr. Caroline Foyer-Clitheroe in ihrem Vortrag „Einer geht voran!“.
Auch die Unternehmen Weckermann und Hartmann Edelstahlrohre setzen auf selbst erzeugten Wasserstoff, um sich unabhängig von volatilen Gaspreisen zu machen.
„Gleichzeitig warten viele regionale Unternehmen noch ab, obwohl Wasserstoff für einzelne Anwendungen bereits heute eine realistische Option wäre und sich in der Region mehrere potenzielle Anbieter abzeichnen”, sagt Markus Fackler zuständig für Business Development am TTZ Gersthofen.
Grüner Wasserstoff aus der Region
Der Markthochlauf nimmt trotz der herausfordernden Marktsituation sichtbar Gestalt an. „Wir reden nicht mehr über Visionen, sondern über reale Projekte an realen Standorten – mit einer Projektvielfalt, die nur wenige Regionen in Süddeutschland vorweisen können“, betont Martina Medrano, Leiterin der Regionalen Koordinierungsstelle Wasserstoff.
Bereits heute steht in Gersthofen RFNBO-zertifizierter grüner Wasserstoff aus der Chlor-Alkali-Elektrolyse zur Verfügung. Weitere Elektrolyseurprojekte befinden sich in der finalen Entwicklungsphase. In den kommenden Wochen wird entschieden, welche Projekte in welchem Umfang umgesetzt werden – fest steht jedoch: Die regionale Erzeugung von grünem Wasserstoff wird deutlich zunehmen.
Ein Meilenstein ist das Wasserstoff-Wärmeprojekt in Gersthofen: Ab der Wintersaison 2026/2027 soll erstmals grüner Wasserstoff zur Beheizung von Bestandsgebäuden eingesetzt werden. Auch die Infrastruktur wächst: Neben der bestehenden Wasserstofftankstelle in Gersthofen wurde im Februar eine weitere Tankstelle am Flughafen Memmingen in Betrieb genommen.
Regionale Unternehmen auf internationaler Bühne
Bayerisch-Schwaben spielt auch eine Schlüsselrolle in der globalen Wasserstoffwirtschaft. Über 30 Unternehmen der Region sind entlang der Wertschöpfungskette aktiv. Technologien aus der Region kommen weltweit zum Einsatz – vom größten Wasserstoffkraftwerk der USA bis zur Mondmission.
Unternehmen wie SGL Carbon, Richter Präzisionstechnik oder AdvanTec liefern zentrale Komponenten für Brennstoffzellen und Elektrolyseure. Bosch präsentierte auf der Konferenz seine Brennstoffzelle für Wasserstoff-LKWs, die unter anderem bei IVECO und künftig auch bei Quantron eingesetzt wird.
Fahrzeuge, Förderung und Quantron ist zurück
Großes Interesse zog auch die begleitende Fahrzeugausstellung auf sich. Quantron ist wieder aktiv und präsentierte sein neues Fahrzeugkonzept, Greif Mietwäsche zeigte seine neuen Wasserstoff-LKWs, IVECO eine Wasserstoff-Sattelzugmaschine. BMW stellte den BMW iX5 Hydrogen vor.
Dr. Christoph Stiller gab einen Überblick über aktuell verfügbare Wasserstofffahrzeuge. Einige davon können im Rahmen der Wasserstoff-Testwochen, organisiert von der Regionalen Koordinierungsstelle Wasserstoff gemeinsam mit Tyczka Hydrogen, eine Woche lang von Unternehmen erprobt werden. Anschaffung und Leasing werden seit diesem Jahr wieder durch Bundes- und Landesprogramme gefördert.
Langjähriges Engagement der Region
Die Bedeutung des Themas unterstrichen Dr. Matthias Köppel, Leiter Standortpolitik bei der IHK Schwaben, Dr. Wolfgang Hübschle, Wirtschaftsreferent der Stadt Augsburg, sowie die stellvertretenden Landräte Hubert Kraus und Manfred Losinger, die das langjährige Engagement der Region darstellten.
„Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, was möglich ist“, erklärte Wolfgang Hehl, Geschäftsführer der Augsburg Innovationspark GmbH und Mitbegründer des Regionalen Fachbeirats Wasserstoff stellvertretend für die 12 Mitglieder des Regionalen Fachbeirats Wasserstoff. „Wir freuen uns, dass sich zunehmend auch Unternehmen in der Technologieregion Wasserstoff engagieren!“
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