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THA-Forschende erzielen zentrale Meilensteine auf dem Weg zum autonomen Fahren
Erfolgreich im Forschungskontext demonstriert: Fahrzeuge koppeln selbstständig an und ab und fahren autonom und sicher im Konvoi im Rahmen der Level-4-Genehmigung deutschlandweit bis 2023 auf der öffentlichen Straße

Den ersten zentralen Meilenstein hatte das TTZ-Forschungsteam bereits Anfang Februar 2026 mit der erfolgreichen Antragstellung zum autonomen Fahren auf öffentlichen Straßen erzielt, als das Kraftfahrt-Bundesamt der Technischen Hochschule Augsburg (THA) die Genehmigung erteilt hatte, ein Level-4-System für das autonome Fahren auf öffentlichen Straßen deutschlandweit bis zum Jahr 2030 zu testen.
Die nächsten Meilensteine galt es bis zur Abschlussveranstaltung des bundesweiten Projekts NeMo.bil, in das 20 Konsortialpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft eingebunden waren, erfolgreich zu absolvieren. Ziel war, ein innovatives, schwarmfähiges Mobilitätssystem zu entwickeln und prototypisch aufzubauen, das als Leuchtturm für ganz Deutschland eine neue Form des nachhaltigen und bedarfsgerechten Personen- und Gütertransports im ländlichen Raum ermöglichen kann.
Zentral im Projekt NeMo.bil sind zwei aufeinander abgestimmte Fahrzeug-Typen
Schwärme kleinerer autonomer Fahrzeuge, sogenannte Cabs, bedienen die ersten und letzten Meilen, also Strecken, z.B. von der Haustüre oder dem Zielort bis zur Haltestelle, die bislang meist zu Fuß oder dem Fahrrad zurückgelegt werden, und künftig mit dem Cab bedient werden könnten. Auf längeren Strecken vereinen sich die Cabs zu einem Konvoi, der von einem größeren Fahrzeug, dem Pro, gezogen wird.
„Dieses System hat das Potential, um einen ressourcenschonenden individuellen öffentlichen Verkehr insbesondere in ländlich geprägten Regionen zu ermöglichen”, sagt Jonathan Behm, Geschäftsführer des Neue Mobilität Paderborn e.V.


Im Projekt NeMo.bil waren die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf mehrere Partner aufgeteilt.
Der Part Automatisierung, Integration und Erprobung von Leichtbaufahrzeugen oblag den Forschenden des TTZ Landsberg am Lech. Dazu führten sie im Rahmen von Testkampagnen in Augsburg und Paderborn im Reallabor auf öffentlichen Straßen umfangreiche Validierungen und Simulationen durch. Dabei entwickelten sie die erforderlichen autonomen Fahrfunktionen technisch, sicher und systematisch weiter.
Die Leichtbaufahrzeuge wurden mit Sensoren ausgestattet – u.a. mit den optischen Sensoren LiDAR (Light Detection And Ranging), die mit Laserlicht die Entfernung zu Objekten messen und so ein präzises 3D-Modell der Umgebung erstellen – sowie mit Kameras, Radar, detaillierten Umgebungskarten und einer digitalen Steuerungsplattform, die u.a. die sogenannte autonome Querführung sicherstellt, d.h. ein System, das selbstständig lenkt, um das Fahrzeug in der Spur zu halten. Das Zusammenspiel dieser technischen Systeme wurde vollständig funktionsfähig abgestimmt, um bei den vollautomatisierten Erprobungsfahrten die erforderlichen technologischen Anforderungen einzuhalten.
Die Leichtbaufahrzeuge wurden von Entwicklern der INYO Mobility GmbH konstruiert und für den Einsatz gemeinsam mit dem TTZ-Team im Projekt NeMo.bil optimiert.


Erfolgreiche Präsentation bei der Abschlusspräsentation
Auf dem Gelände des Zukunftsquartiers in Paderborn stellten die beteiligten Konsortialpartner im Rahmen der Abschlusspräsentation die Ergebnisse des Projekts erstmalig in ihrer Gesamtheit vor. Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung – darunter auch Dr. Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU, und Stefan Heidemann vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – erhielten Einblicke in die entwickelten Fahrzeuge, digitale Anwendungen und technischen Systeme. In Diskussionen rund um die Fachausstellung und bei Fahrdemonstrationen zeigte sich, wie die einzelnen Bausteine des entwickelten Mobilitätskonzepts zusammenwirken und welche Potenziale sie für die Mobilität der Zukunft eröffnen.
Das Team des TTZ Landsberg der Technischen Hochschule Augsburg ließ bei der Abschlusspräsentation zum einen ein INYO-Cab an das Pro-Fahrzeug ankoppeln und so im Konvoi auf dem Testfeld sebstständig fahren und zum anderen zwei Level-4-Fahrzeuge auf der öffentlichen Straße autonom fahren. Beide Demonstrationsfahrten verliefen erfolgreich.






Das sagen die Forschenden
Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf, wissenschaftlicher Leiter im Forschungsfeld autonome Systeme am TTZ Landsberg am Lech:
„NeMo.bil war für uns weit mehr als ein Forschungsprojekt auf dem Papier. Gemeinsam ist es gelungen, aus einer mutigen Idee ein reales, fahrendes System zu machen: mit autonomem Ankoppeln und Abkoppeln, Konvoifahrten mit autonomer Querführung und Erprobungen auf öffentlichen Straßen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir für zwei Inyo-Cabs KBA-Level-4-Erprobungsgenehmigungen erhalten haben, die deutschlandweit bis 2030 gelten. Damit ist der Weg für viele Testkampagnen auf öffentlichen Straßen in den kommenden vier Jahren geebnet. Mein herzlicher Dank gilt dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Projektträger NeMo.bil und allen Partnerinnen und Partnern im Konsortium. Nur durch diese Förderung, das Vertrauen und die intensive Zusammenarbeit konnte dieser wichtige Schritt gelingen. Für die Technische Hochschule Augsburg und unser TTZ Data Science und Autonome Systeme in Landsberg am Lech ist das ein großer Erfolg – und zugleich der Startpunkt für die nächste Phase unserer Forschung zur automatisierten Mobilität im realen Verkehr.“
Samuel Leitenmaier, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter am TTZ Landsberg am Lech und Projektleiter der THA im Projekt NeMo.bil:
„Das Projekt NeMo.bil zeigt, dass der Weg vom Konzept bis zur Erprobung autonomer Leichtbaufahrzeuge auf öffentlicher Straße in kurzer Zeit gelingen kann. Wir haben dazu die technischen Voraussetzungen im TTZ Landsberg am Lech entwickelt und im Reallabor auf öffentlichen Straßen bei Forschungsfahrten erprobt, so dass wir bei der Abschlusspräsentation in Paderborn ein Konvoifahrzeug erfolgreich auf dem Testfeld und zwei Level-4-Fahrzeuge auf der öffentlichen Straße demonstrieren konnten. Die Erkenntnisse, die wir dabei gewonnen haben, sind für das gesamte Team ein entscheidender Baustein für die weitere Forschung und Entwicklung autonomer Systeme.“
Die Konsortialpartner
NeMo.bil-Konsortialführer Marcus Zwick, Gründer und Gesellschafter der INYO Mobility GmbH, hebt hervor:
„Was mich an NeMo.bil von Anfang an begeistert hat, ist der Blick auf das große Ganze: Nicht eine einzelne Technologie, sondern ein durchgängiges System, das Menschen wirklich bewegt. Besonders am Herzen liegt mir dabei die Anbindung ländlicher Räume – Regionen, die von klassischen ÖPNV-Angeboten oft zurückgelassen werden. Ich bin überzeugt, dass autonome, emissionsfreie Shuttles genau hier den Unterschied machen können: verlässlich, komfortabel und für alle zugänglich. NeMo.bil hat gezeigt, dass das keine Zukunftsvision mehr ist – es ist machbar.“
Am Projekt NeMo.bil haben 20 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft mitgewirkt:
Aspens GmbH, AVANCO Composites GmbH, CADFEM Germany GmbH, CP Tech GmbH, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), dSPACE Group SE & Co. KG, FIWARE Foundation e.V., HOLON GmbH, INYO Mobility GmbH, LIA GmbH, Neue Mobilität Paderborn e.V., PHOENIX CONTACT E-Mobility GmbH, Poppe + Potthoff GmbH, Reisewitz GmbH & Co. KG, Technische Hochschule Augsburg, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Technische Universität Dortmund, Universität Paderborn und das Wissenschaftszentrum Berlin.

Förderung
Das Projekt NeMo.bil wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit rund 18 Millionen Euro gefördert und war vom Neue Mobilität Paderborn e.V. initiiert worden. Mit dem erfolgreichen Abschluss des bundesweiten Forschungsprojekts NeMo.bil endet zwar die Projektlaufzeit, die Weiterentwicklung der entstandenen Lösungen werden von den Partnern des NeMo e.V. jedoch fortgesetzt. Die entwickelten Prototypen sollen in Folgeprojekten eingesetzt, erprobt und schrittweise optimiert werden.
Weitere Informationen zu NeMo.bil
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