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THA-Forschende erzielen zentrale Meilensteine auf dem Weg zum autonomen Fahren

Erfolgreich im Forschungskontext demonstriert: Fahrzeuge koppeln selbstständig an und ab und fahren autonom und sicher im Konvoi im Rahmen der Level-4-Genehmigung deutschlandweit bis 2023 auf der öffentlichen Straße

 
Bei der Abschlussveranstaltung des Projekts NeMo.bil im Zukunftsquartier in Paderborn am 03.07.2026: (v.l.) Jonathan Behm (Geschäftsführer Neue Mobilität Paderborn e.V.), Dr. Carsten Linnemann (Generalsekretär der CDU), Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf (Technische Hochschule Augsburg) und Stefan Heidemann (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). Bild: NeMo e.V.
09.07.2026
Paderborn/Augsburg

Die Forschenden der Technischen Hochschule Augsburg (THA) unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf haben am 03.07.2026 bei der Abschlussveranstaltung des bundesweiten Forschungsprojekts NeMo.bil auf dem Gelände des Zukunftsquartiers in Paderborn erfolgreich die Ergebnisse ihres Forschungsauftrages präsentiert: Das autonome An- und Abkoppeln der Leichtbaufahrzeuge sowie die selbstständigen und sicheren Konvoifahrten mit sogenannter „autonomer Querführung” der gezogenen Fahrzeuge. „Damit konnte ein zentraler Bestandteil des NeMo.bil-Systemansatzes nicht nur theoretisch untersucht, sondern prototypisch demonstriert werden”, sagt Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf. Die F&E-Arbeiten erfolgten im Technologietransferzentrum (TTZ) Data Science und Autonome Systeme der THA in Landsberg am Lech. Sie bilden die Grundlage für die weitere Forschung der THA zu automatisierter Mobilität mit Reallaboren im öffentlichen Verkehr.

 

Den ersten zentralen Meilenstein hatte das TTZ-Forschungsteam bereits Anfang Februar 2026 mit der erfolgreichen Antragstellung zum autonomen Fahren auf öffentlichen Straßen erzielt, als das Kraftfahrt-Bundesamt der Technischen Hochschule Augsburg (THA) die Genehmigung erteilt hatte, ein Level-4-System für das autonome Fahren auf öffentlichen Straßen deutschlandweit bis zum Jahr 2030 zu testen.

Die nächsten Meilensteine galt es bis zur Abschlussveranstaltung des bundesweiten Projekts NeMo.bil, in das 20 Konsortialpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft eingebunden waren, erfolgreich zu absolvieren. Ziel war, ein innovatives, schwarmfähiges Mobilitätssystem zu entwickeln und prototypisch aufzubauen, das als Leuchtturm für ganz Deutschland eine neue Form des nachhaltigen und bedarfsgerechten Personen- und Gütertransports im ländlichen Raum ermöglichen kann.

Zentral im Projekt NeMo.bil sind zwei aufeinander abgestimmte Fahrzeug-Typen

Schwärme kleinerer autonomer Fahrzeuge, sogenannte Cabs, bedienen die ersten und letzten Meilen, also Strecken, z.B. von der Haustüre oder dem Zielort bis zur Haltestelle, die bislang meist zu Fuß oder dem Fahrrad zurückgelegt werden, und künftig mit dem Cab bedient werden könnten. Auf längeren Strecken vereinen sich die Cabs zu einem Konvoi, der von einem größeren Fahrzeug, dem Pro, gezogen wird.

„Dieses System hat das Potential, um einen ressourcenschonenden individuellen öffentlichen Verkehr insbesondere in ländlich geprägten Regionen zu ermöglichen”, sagt Jonathan Behm, Geschäftsführer des Neue Mobilität Paderborn e.V.

 
Die INYO-Cabs des TTZ Landsberg
Bei der Demonstrationsfahrt: Die INYO-Cabs des TTZ Landsberg fahren autonom und sind sicher unterwegs. Bilder: NeMo e.V.
Das INYO-Cab des TTZ Landsberg koppelt selbsständig an das Pro-Fahrzeug an.
Konvoifahrt: Das INYO-Cab des TTZ Landsberg hat selbsständig an das Pro-Fahrzeug angekoppelt und fuhr im Konvoi weiter.
 

Im Projekt NeMo.bil waren die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf mehrere Partner aufgeteilt. 

Der Part Automatisierung, Integration und Erprobung von Leichtbaufahrzeugen oblag den Forschenden des TTZ Landsberg am Lech. Dazu führten sie im Rahmen von Testkampagnen in Augsburg und Paderborn im Reallabor auf öffentlichen Straßen umfangreiche Validierungen und Simulationen durch. Dabei entwickelten sie die erforderlichen autonomen Fahrfunktionen technisch, sicher und systematisch weiter.

Die Leichtbaufahrzeuge wurden mit Sensoren ausgestattet – u.a. mit den optischen Sensoren LiDAR (Light Detection And Ranging), die mit Laserlicht die Entfernung zu Objekten messen und so ein präzises 3D-Modell der Umgebung erstellen – sowie mit Kameras, Radar, detaillierten Umgebungskarten und einer digitalen Steuerungsplattform, die u.a. die sogenannte autonome Querführung sicherstellt, d.h. ein System, das selbstständig lenkt, um das Fahrzeug in der Spur zu halten. Das Zusammenspiel dieser technischen Systeme wurde vollständig funktionsfähig abgestimmt, um bei den vollautomatisierten Erprobungsfahrten die erforderlichen technologischen Anforderungen einzuhalten. 

Die Leichtbaufahrzeuge wurden von Entwicklern der INYO Mobility GmbH konstruiert und für den Einsatz gemeinsam mit dem TTZ-Team im Projekt NeMo.bil optimiert.

 
Im Innern des INYO-Cabs
Die Technik im Innern des INYO-Cabs visualisiert die gesammelten Daten u.a. der optischen Sensoren LiDAR, der Kamera und des Radars, die außen am Cab montiert sind.
Auf dem Dach des INYO-Cabs
Die Technik, die das autonome Fahren ermöglicht, ist außen am INYO-Cab montiert ebenso auf dem Dach. Bilder: Matthias Leo
 

Erfolgreiche Präsentation bei der Abschlusspräsentation 

Auf dem Gelände des Zukunftsquartiers in Paderborn stellten die beteiligten Konsortialpartner im Rahmen der Abschlusspräsentation die Ergebnisse des Projekts erstmalig in ihrer Gesamtheit vor. Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung – darunter auch Dr. Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU, und Stefan Heidemann vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – erhielten Einblicke in die entwickelten Fahrzeuge, digitale Anwendungen und technischen Systeme. In Diskussionen rund um die Fachausstellung und bei Fahrdemonstrationen zeigte sich, wie die einzelnen Bausteine des entwickelten Mobilitätskonzepts zusammenwirken und welche Potenziale sie für die Mobilität der Zukunft eröffnen.

Das Team des TTZ Landsberg der Technischen Hochschule Augsburg ließ bei der Abschlusspräsentation zum einen ein INYO-Cab an das Pro-Fahrzeug ankoppeln und so im Konvoi auf dem Testfeld sebstständig fahren und zum anderen zwei Level-4-Fahrzeuge auf der öffentlichen Straße autonom fahren. Beide Demonstrationsfahrten verliefen erfolgreich.

 
Samuel Leitenmaier
Bei der Abschlusspräsentation: Samuel Leitenmaier, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter am TTZ Landsberg am Lech, stellte als Projektleiter der THA im Projekt NeMo.bil die Ergebnisse vor.
Die Teilnehmenden der Abschlusspräsentation
Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung – darunter auch Dr. Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU, und Stefan Heidemann vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – waren am 03.07.2026 vor Ort.
 
Mit einem Sicherheitsfahrer des TTZ Landsberg: Dr. Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU bei der Fahrt im autonomen INYO-Cab
Bei der autonomen Fahrt im INYO-Cab: Dr. Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU, mit einem Sicherheitsfahrer des TTZ Landsberg.
Im INYO-Cab des TTZ Landsberg
Ein INYO-Cab des TTZ Landsberg auf der Demonstrationsfahrt: Der Fahrer braucht nicht zu lenken, das Cab fährt selbsständig.
 
Vor dem Start der Demonstrationsfahrt: Der Testfahrer des TTZ Landsberg
Vor dem Start der Demonstrationsfahrt: Der Testfahrer des TTZ Landsberg.
Auf dem INYO-Cab des TTZ Landsberg gibt es Hinweise zum ForschAuf dem INYO-Cab des TTZ Landsberg gibt es weiterführende Hinweise zum Forschungsprojekt NeMo.bilngsprojekt
Auf dem INYO-Cab des TTZ Landsberg gibt es weiterführende Hinweise zum Forschungsprojekt NeMo.bil. Bilder NeMo e.V.

Das sagen die Forschenden

 

Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf, wissenschaftlicher Leiter im Forschungsfeld autonome Systeme am TTZ Landsberg am Lech:

„NeMo.bil war für uns weit mehr als ein Forschungsprojekt auf dem Papier. Gemeinsam ist es gelungen, aus einer mutigen Idee ein reales, fahrendes System zu machen: mit autonomem Ankoppeln und Abkoppeln, Konvoifahrten mit autonomer Querführung und Erprobungen auf öffentlichen Straßen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir für zwei Inyo-Cabs KBA-Level-4-Erprobungsgenehmigungen erhalten haben, die deutschlandweit bis 2030 gelten. Damit ist der Weg für viele Testkampagnen auf öffentlichen Straßen in den kommenden vier Jahren geebnet. Mein herzlicher Dank gilt dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Projektträger NeMo.bil und allen Partnerinnen und Partnern im Konsortium. Nur durch diese Förderung, das Vertrauen und die intensive Zusammenarbeit konnte dieser wichtige Schritt gelingen. Für die Technische Hochschule Augsburg und unser TTZ Data Science und Autonome Systeme in Landsberg am Lech ist das ein großer Erfolg – und zugleich der Startpunkt für die nächste Phase unserer Forschung zur automatisierten Mobilität im realen Verkehr.“

Samuel Leitenmaier, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter am TTZ Landsberg am Lech und Projektleiter der THA im Projekt NeMo.bil:

„Das Projekt NeMo.bil zeigt, dass der Weg vom Konzept bis zur Erprobung autonomer Leichtbaufahrzeuge auf öffentlicher Straße in kurzer Zeit gelingen kann. Wir haben dazu die technischen Voraussetzungen im TTZ Landsberg am Lech entwickelt und im Reallabor auf öffentlichen Straßen bei Forschungsfahrten erprobt, so dass wir bei der Abschlusspräsentation in Paderborn ein Konvoifahrzeug erfolgreich auf dem Testfeld und zwei Level-4-Fahrzeuge auf der öffentlichen Straße demonstrieren konnten. Die Erkenntnisse, die wir dabei gewonnen haben, sind für das gesamte Team ein entscheidender Baustein für die weitere Forschung und Entwicklung autonomer Systeme.“

Die Konsortialpartner

 

NeMo.bil-Konsortialführer Marcus Zwick, Gründer und Gesellschafter der INYO Mobility GmbH, hebt hervor:

„Was mich an NeMo.bil von Anfang an begeistert hat, ist der Blick auf das große Ganze: Nicht eine einzelne Technologie, sondern ein durchgängiges System, das Menschen wirklich bewegt. Besonders am Herzen liegt mir dabei die Anbindung ländlicher Räume – Regionen, die von klassischen ÖPNV-Angeboten oft zurückgelassen werden. Ich bin überzeugt, dass autonome, emissionsfreie Shuttles genau hier den Unterschied machen können: verlässlich, komfortabel und für alle zugänglich. NeMo.bil hat gezeigt, dass das keine Zukunftsvision mehr ist – es ist machbar.“

Am Projekt NeMo.bil haben 20 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft mitgewirkt:

Aspens GmbH, AVANCO Composites GmbH, CADFEM Germany GmbH, CP Tech GmbH, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), dSPACE Group SE & Co. KG, FIWARE Foundation e.V., HOLON GmbH, INYO Mobility GmbH, LIA GmbH, Neue Mobilität Paderborn e.V., PHOENIX CONTACT E-Mobility GmbH, Poppe + Potthoff GmbH, Reisewitz GmbH & Co. KG, Technische Hochschule Augsburg, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Technische Universität Dortmund, Universität Paderborn und das Wissenschaftszentrum Berlin.

 
Gruppenbild
Bei der Abschlusspräsentation: Die Konsortialpartner mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Bild: NeMo e.V.

Förderung

Das Projekt NeMo.bil wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit rund 18 Millionen Euro gefördert und war vom Neue Mobilität Paderborn e.V. initiiert worden. Mit dem erfolgreichen Abschluss des bundesweiten Forschungsprojekts NeMo.bil endet zwar die Projektlaufzeit, die Weiterentwicklung der entstandenen Lösungen werden von den Partnern des NeMo e.V. jedoch fortgesetzt. Die entwickelten Prototypen sollen in Folgeprojekten eingesetzt, erprobt und schrittweise optimiert werden.

Weitere Informationen zu NeMo.bil

 
 

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