Fischaufstiegsanlage am Hochablass
Ein Blick hinter die Kulissen ingenieurwissenschaftlicher Planung

Studiengang
BauingenieurwesenProjektbeschreibung
Der Hochablass mit benachbartem Kuhsee und der Kanustrecke ist in Augsburg weithin bekannt. Für das unter der Wasseroberfläche befindliche Wasserkraftwerk wird im kommenden Jahr eine Fischaufstiegsanlage gebaut. Diese umgangssprachlich auch oft als Fischtreppe bezeichnete Anlage dient der Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit. Die ökologische Durchgängigkeit ist für die Etablierung eines gesunden Fischbestandes wichtig und ermöglicht nicht nur Fischen, sondern auch aquatischen Kleinstlebewesen Wanderbewegungen im Fließgewässer. Diese dienen den Fischen als Nahrungsgrundlage und spielen daher ebenfalls eine wichtige Rolle. Die ökologische Durchgängigkeit wird auch durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie EU-WRRL gefordert und wurde bereits an vielen Wehranlagen entlang des Lechs umgesetzt.
Das studentische Projektteam des 7. Semesters des Studiengangs Bauingenieurwesen bietet einen vertieften Einblick in die Planungsphasen. Der Fokus liegt auf den ökologischen und gesellschaftlichen Fragestellungen, die moderne Bauingenieure heute lösen müssen – weit über die reine Betonkonstruktion hinaus. Das Projekt wird hochschulseitig durch Prof. Dr. Hilliges und Prof. Dr. Gattermann betreut; auf Seiten des Bauherren stehen Herr Demharter und Herr Seitz als Ansprechpartner der Stadtwerke Augsburg Projektgesellschaft mbH zur Verfügung.
Beteiligte Personen
Prof. Dr.-Ing. Rita Hilliges
Prof. Dr.-Ing. Jens Gattermann
Markus Demharter
Die Studierenden des siebten Semesters untersuchten im Rahmen ihres B7-Projekts nicht nur die bauliche Umsetzung, sondern betrachteten das Vorhaben ganzheitlich. Dabei standen vier zentrale Themenbereiche im Mittelpunkt, die die Komplexität des Bauens im sensiblen Naturraum am Lech verdeutlichen: die Variantenuntersuchung, die Klimaanalyse, die Öffentlichkeitsarbeit und die langfristige Funktionskontrolle.

Der Lech im Klimawandel
Das Projektteam analysierte historische Abflussdaten und Klimaprognosen für den Lech. Die Ergebnisse zeigen klare Trends: Die Wassertemperaturen steigen kontinuierlich, was zu niedrigeren Sauerstoffgehalten führt. Dies setzt kälteliebende Arten wie die Forelle oder den Huchen unter Druck.

Warum der Schlitzpass das Rennen machte
Die Studierenden prüften, ob statt des geplanten Schlitzpasses ein naturnahes Umgehungsgewässer möglich wäre. Die Untersuchung zeigte jedoch: Ein solcher Bachlauf hätte massiv in den Baumbestand des Parks eingegriffen und Erholungsflächen zerschnitten.

Der Vergleich der Varianten bestätigte die Vorzugslösung des „Vertical-Slot-Pass". Diese Bauweise benötigt weniger Fläche, schont den Baumbestand und bietet optimale Strömungsbedingungen für den Huchen als Leitfisch. Die Entscheidung für das technische Bauwerk ist damit die ökologisch vorteilhaftere Lösung für den Gesamtstandort.

Bau und Konstruktion: Herstellung unter erschwerten Bedingungen
Die Errichtung der Fischaufstiegsanlage stellt erhebliche Anforderungen an die Bauplanung. Die Geotechnik-Projektgruppe untersuchte intensiv, wie das Bauwerk unter den besonderen Bedingungen am Lechufer realisiert werden kann.
Baustelleneinrichtung und Logistik
Aufgrund der direkten Lage am Lech mit Naherholungsfunktion, der beengten Platzverhältnisse und sensibler Schutzbereiche war eine durchdachte Baustellenorganisation essentiell. Das erarbeitete Konzept regelt die Erschließung des Baufelds, die Trennung von Arbeits-, Lager- und Verkehrsflächen sowie die Integration bestehender Wege.
Baugrube und Verbau
Da sich der Arbeitsbereich direkt am Lechufer befindet und das Arbeitsplanum unterhalb des Fluss- und Grundwasserspiegels liegt, ist ein wasserdichter Baugrubenverbau erforderlich. Die Lösung: Spundwände rund um das Baufeld bilden einen Spundwandkasten, kombiniert mit einer Wasserhaltung aus Vakuumlanzen. Dies ermöglicht es, das Grundwasser abzusenken und trockenen Fußes zu arbeiten.
Aufgrund der großen Aushubtiefe wurde eine aussteifende Ebene aus Steifen und Rückverankerungen geplant. Diese Kombination reduziert die Belastung auf die Verbauwände, ermöglicht kleinere Spundwandprofile und minimiert Verformungen des Systems.

Bauablauf und Zeitplanung
Ein weiterer zentraler Arbeitsbereich war die Bauablaufplanung. Die Geotechnik-Gruppe teilte das Projekt in Baufelder und Bauphasen ein und analysierte die zeitliche Dimension der Erstellung. Die einzelnen Bauteile (Bodenplatten, Wände, Fertigteile) wurden herausgearbeitet und in Bauteilplänen dokumentiert.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Fugenausbildung, da die verschiedenen Bauteile zu erhöhter Fugenbildung führen. Nach Analyse verschiedener Ausführungsmöglichkeiten wurde eine Mischvariante aus Ortbeton mit gezielten Betonfertigteilen als optimal erachtet.
Der erarbeitete Bauzeitenplan dokumentiert alle notwendigen Arbeitsschritte und verknüpft diese logisch miteinander. Das Ergebnis: eine Gesamtbauzeit von etwa einem Jahr – realistisch und umsetzbar.
Moderne Überwachung: Hightech für die Funktionskontrolle
Nach dem Bau stellt sich die entscheidende Frage: Nutzen die Fische die neue Route? Das Projektteam empfiehlt den Einsatz einer Doppelkastenreuse in Kombination mit Unterwasserkameras. Dies ermöglicht eine verletzungs- und stressminimierte Überwachung der auf- und absteigenden Fische bei gleichzeitig hoher Effizienz des Systems.

Akzeptanz durch Kommunikation
Baustellen im öffentlichen Raum erfordern transparente Kommunikation. Das Projektteam entwickelte daher ein Konzept für Bauzaun-Banner, die Bürger:innen vor Ort erklären, warum gebaut wird und welchen ökologischen Nutzen die Maßnahme hat. Statt reiner Verbotsschilder setzt das Konzept auf Information und Transparenz.
Praxisbezug mit direkter Wirkung
Für die Studierenden bot das Projekt die Gelegenheit, ihr Wissen direkt in der Praxis anzuwenden. Erfreulich ist, dass die erarbeiteten Ergebnisse teilweise direkt in die aktuelle Planung integriert wurden.
Ein besonderer Dank gilt der Stadtwerke Augsburg Projektgesellschaft mbH (Herr Seitz und Herr Demharter) für die Bereitstellung des Projekts und die fachliche Unterstützung, sowie Frau Prof. Dr.-Ing. Rita Hilliges und Herrn Prof. Dr.-Ing. Jens Gattermann für die intensive Betreuung seitens der Technischen Hochschule Augsburg.


