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Künstliche Intelligenz und Vliesstoffe – Neue Chancen für die Zukunft des Textilrecyclings

Kooperation und neue Modellfabrik stärken das Recycling Atelier im KI-Produktionsnetzwerk der Technischen Hochschule Augsburg

 
Bildunterschrift: Die Sensorik aus bereits erfolgreichen Projekten kommt nun an der Modellfabrik KI-Produktionsplattform für kontinuierliche Prozesse (KIPP) im Recycling Atelier zum Einsatz. Fotograf: Sebastian Geldhäuser / ITA Augsburg
21.02.2024
Augsburg

Mit einer neuen Kompaktanlage zur Herstellung von Nadelvliesstoffen erweitert das Recycling Atelier der Technischen Hochschule Augsburg (THA) seine Möglichkeiten zur angewandten KI-Forschung. Seit Beginn des Jahres ist die Firma Dilo aus Eberbach, der Hersteller der Anlage, auch Technologiepartner des Recycling Ateliers Augsburg und ergänzt die Expertise im Partnernetzwerk um die Verarbeitung von Vliesstoffen – einem zentralen Bereich für recycelte Fasern.

 

Die Kompaktanlage zur Herstellung von Nadelvliesstoffen ist das Herzstück der neuen Modellfabrik „KI-Produktions-Plattform für kontinuierliche Prozesse (KIPP)“, die an das Recycling Atelier Augsburg angeschlossen ist. Als Labor in Realgröße dient diese Anlage zur Herstellung von Vliesstoffen, um in produktionsnahen Szenarien Projektansätze für zukünftige Anwendungen von Künstlicher Intelligenz in der kontinuierlichen Produktion zu entwickeln.

Alttextilien werden nicht zu Lumpen, sondern zu hochwertigen Textilien recycelt

Prof. Dr. Stefan Schlichter, Koordinator des Recycling Ateliers und der Modellfabrik KIPP an der Technischen Hochschule Augsburg, sagt: „Ein großes Spektrum unterschiedlicher Faserqualitäten und Fasertypen lässt sich zu Vliesstoffen verarbeiten. Vliesstoffe stellen eine stark wachsende und sehr universelle Produktionsvariante dar, sowohl bei technischen Anwendungen (Composites, Geotextilien, Filter, Automotive), aber auch in Form von Bodenbelag oder Hygieneanwendungen. Vliesstoffe sind deshalb eine wichtige Möglichkeit, Fasern in einem höherwertigen Segment zu verwenden und damit höherwertige Produkte aus Alttextilien herzustellen.“

Die neue Modellfabrik KIPP baut auf bereits erfolgreich durchgeführten Projekten des Instituts für Textiltechnik Augsburg (ITA Augsburg) auf und setzt die erzielten Forschungsergebnisse ein. Dazu gehört zum Beispiel die Modellierung von Prozessen oder die Integration einer innovativen Sensorik. Zudem konnten bereits Forschungsergebnisse mit der Modellfabrik KIPP erzielt werden. Dazu zählen sowohl technologische Anwendungen im Bereich Carbon-Recycling als auch die erstmalige Modellierung des Vliesherstellprozesses, die Erprobung und Integration von intelligenter Sensorik, die Anwendung von KI-basierten Optimierungsprozessen in der gesamten Nadelfilzherstellung sowie die Anwendung im Bereich Design4Recycling.

Die in der Modellfabrik KIPP-Vlieslinie erzielten Ergebnisse sind grundsätzlich auf andere Formen der kontinuierlichen Produktion z.B. im Bereich Textil, Kunststoff oder Holzbearbeitung übertragbar. Hierzu werden an der THA ebenfalls Projekte umgesetzt.

Design4Recycling – So wird Recycling schon bei der Produktentwicklung mitgedacht

Prof. Dr. Stefan Schlichter sagt: „Mit unserer neuen Modellfabrik KIPP verfolgen wir konkrete Ziele. Wir wollen das Design4Recycling wirkungsvoll unterstützen – also das Mitdenken von Recycling bereits bei der Produktentwicklung. Zudem möchten wir KI-basierte Regelungen schaffen, mit denen industrielle Systeme sich selbstständig optimieren können. Unser wichtigstes Ziel ist aber, unsere Modellfabrik in Realgröße zu etablieren und zu verstetigen. In einem solchen Reallabor können interessierte Unternehmen die Anwendung von KI-Lösungen für die kontinuierliche Produktion nicht nur im Bereich der Textilproduktion lernen und für ihre konkreten Bedarfe weiterentwickeln.“

Neuer Partner im Netzwerk: Dilo bringt Expertise für Vliesstoffe

Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen Dilo und dem Recycling Atelier Augsburg bestand bereits seit einigen Jahren über das ITA Augsburg, einem An-Institut der Technischen Hochschule Augsburg. Unter anderem wurde eine Kompaktanlage zur Herstellung von Nadelvliesstoffen bereitgestellt, die den Kern der KI-Vlieslinie bildet. „Mit Dilo haben das Recycling Atelier, die THA und das ITA einen wichtigen Partner langfristig gewonnen, der seine Expertise im Bau von Maschinen und der Konzeption von Anlagen für die Verarbeitung von Alttextilien im Projektverbund einbringt“, erklärt Dr. Georg Stegschuster, Leiter des Recycling Ateliers. Im Besonderen soll die Kompaktanlage des ITA nun im Recycling Atelier im Rahmen des KI-Produktionsnetzwerk der THA zur Herstellung von Nadelvliesstoffen aus Recyclingfasern zum Einsatz kommen.

„Wir freuen uns über die Technologiepartnerschaft mit Dilo. Das langjährige Know-how ist gerade im Hinblick auf unsere Modellfabrik ‚KIPP‘ ein Gewinn für das Recycling Atelier und das KI-Produktionsnetzwerk an der Technischen Hochschule Augsburg, um gemeinsam die Verarbeitung von Vliesstoffen im Recycling abzudecken und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Denn die Herstellung von Vliesstoffen ist ein wichtiger Teil im Kreislauf von Textilien, der schon heute besteht, jedoch hinsichtlich nachhaltiger Produktion noch absolut ausbaufähig ist“, erklärt Schlichter.

 

Über das Recycling Atelier Augsburg

Das Recycling Atelier Augsburg ist die erste Modellfabrik für mechanisches Textilrecycling weltweit. Ziel ist es, mit Expertisen aus Wissenschaft und Industrie innovative Lösungen für ein hochwertiges Textilrecycling im Sinne eines nachhaltigen Stoffkreislaufs entlang der kompletten textilen Produktionskette zu entwickeln. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erfolgen im Recycling Atelier Augsburg auf dem gesamten Weg textiler Sekundärrohstoffe – von der Alttextilie zurück in hochwertige Produkte.

Im Rahmen des KI-Produktionsnetzwerks Augsburg hat das Institut für Textiltechnik Augsburg, ein An-Institut der Technischen Hochschule Augsburg, gemeinsam mit der THA diese Modellfabrik zum nachhaltigen Stoffkreislauf initiiert und eröffnet.

Über die DiloGroup

Die DiloGroup setzt sich zusammen aus DiloSystems, den Spezialisten für Anlagenprojektierung und Auftragsabwicklung, DiloTemafa für Öffnungs- und Mischungskomponenten, DiloSpinnbau für mechanische und aerodynamische Vliesbildung und DiloMachines für Vlieslegerbau und Vernadelungsmaschinen. Die DiloSystems ist gleichzeitig zuständig für die Betreuung der ausländischen Repräsentanzen, Vertretungen und Niederlassungen. Die DiloGroup bietet Komplettlösungen für Nadelvliesanlagen mit höchsten Produktionsgeschwindigkeiten und Vliesqualitäten an.

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Über das KI-Produktionsnetzwerk

 

Über das KI-Produktionsnetzwerk

Das KI-Produktionsnetzwerk Augsburg, eingerichtet von der Bayerischen Staatsregierung, ist ein Verbund von KI-Kompetenzträgern im Großraum Augsburg. Verbundpartner sind die Universität Augsburg, das Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV, das Zentrum für Leichtbauproduktionstechnologie (ZLP) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Augsburg sowie die Technische Hochschule Augsburg. Beteiligt sind zudem auch regionale Industriepartner. Ziel ist eine gemeinsame Erforschung KI-basierter Produktionstechnologien an der Schnittstelle zwischen Werkstoffen, Fertigungstechnologien, datenbasierter Modellierung und digitalen Geschäftsmodellen. Der Freistaat Bayern fördert das Projekt mit 92 Millionen Euro im Rahmen der Hightech Agenda Plus.

Die Technische Hochschule Augsburg (THA) setzt im KI-Produktionsnetzwerk Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich KI in anwendbare Lösungen für die regionale Industrie und das Handwerk um. Transfer ist dabei eine der Kernkompetenzen der THA. Sie nutzt ihre gute Vernetzung mit den Unternehmen der Region und darüber hinaus für eine passgenaue und schnelle Integration der entwickelten Lösungen – sei es physisch in produzierenden Anlagen und Infrastrukturen oder strategisch in das vorliegende Geschäftsmodell.

Weiterführende Informationen

 
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Gefördert durch die Hightech Agenda Bayern des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.